Paul ist bei uns schon Einiges gewohnt. Neben unzähligen anderen Fahrten kommt er in seinem jungen Alter bereits auf einen Roadtrip durch Schottland, entlang der australischen Ostküste, über beide Inseln Neuseelands und einmal entlang der Küste Portugals. Das Autofahren mit einem kleinen Kind nicht immer nur einfach ist, weiß wohl fast jeder. Wie es dennoch klappen kann, versuchen wir auf Grundlage unserer Erfahrungen hier zusammenzutragen.

Plane voraus: Nutze den Rhythmus

Jedes Kind hat einen Rhythmus: Schlafen und wachen. Dazwischen hin und wieder etwas trinken. Die Schlafphasen eigenen sich ausgesprochen gut, um im Auto eine Strecke zurückzulegen. Mit zunehmendem Alter werden die Phasen (vor allem die Wachphasen) länger, jedoch auch der Rhythmus immer planbarer.

Wir haben diese Strategie mit Paul von Beginn an verfolgt. Wir glauben, dass ihn diese Tatsache allein konditioniert hat. Setzen wir ihn heute in seinen Autositz in einem Moment, in dem er leicht Müde ist, dauert es keine fünf Minuten, bevor er selig einschläft.

Und genau das machen wir uns auch auf Reisen zu Nutzen: Wir legten längere Strecken häufig auf den späten Vormittag, sodass Paul bereits müde war und beinahe sofort einschlief. Als er noch kleiner war, funktionierte das auch zwei Mal am Tag. Vormittags eine Strecke fahren, Halt an einem schönen Ort, ein wenig Essen, Spielen und Herumtollen und dann noch einmal eine kleinere Strecke.

Der große Vorteil: Selbst wenn ihr ein Kind habt, dass zu Reiseübelkeit neigt (das wisst ihr etwa ab einem Alter von 1,5 Jahren), fällt das im Schlafen weniger ins Gewicht.

Der Weg ist das Ziel: Lege Dich nicht fest

Natürlich ist das schwer, wenn die Zeit knapp ist. Hast Du jedoch etwas mehr Zeit und musst Dich nicht drängen einen bestimmten Ort an einem bestimmten Tag zu erreichen, halte Dich nicht an Deinen inneren Vorstellungen fest.

Der abgedroschene Spruch „der Weg ist das Ziel“ ist eben genauso wahr wie abgedroschen.

Straße

Wir haben uns beispielsweise in Australien und Neuseeland selten auf einen Campingplatz weit im Voraus festgelegt. Nie haben wir einen Platz im Vorfeld gebucht. Wir haben entlang unserer Strecke in den Camping-Apps im Vorfeld geschaut und in verschiedenen Entfernungen Plätze markiert. Da wir auch genügend Zeit hatten, konnten wir spontan nach einem Platz Ausschau halten, wenn absehbar war, dass Paul keine weitere Geduld im Auto aufbringen konnte.

Höre auf Dein Kind

Wir gerade beschrieben, wird es immer einen Punkt geben an dem Dein schlafendes Autofahr-Baby wach wird und möglicherweise auch kurz danach ungnädig wird. Denn seien wir doch mal ehrlich: In einem Sitz festgemacht sein und nichts zu tun, ja, nicht einmal die Möglichkeit etwas zu sehen im Falle einer tiefliegenden Babyschale? Das ist nicht fair.

Deshalb: Hör auf Dein Kind! Wenn es genug hat, hat es genug.

Wenn Du die Situation zu lange ausreizt, wird es möglicherweise Konsequenzen für spätere Fahrten haben. Dein Kind wird vielleicht schon beim Einsteigen ins Auto und in den Kindersitz an die Situation zurückdenken und entsprechend abblocken.

Deshalb: Solange Du Dein Kind noch gut beschäftigen kann, fahre. Schlägt die Stimmung um, halte an. Mache ein Pause. Eine ausgedehnte Pause. Gönne dem Kind frische Luft, Bewegung und Abwechslung. Sofern es möglich ist und Du mit einem Campervan unterwegs bist, raste dort für den Tag. Wenn nicht, versuche die Reststrecke für den Tag so kurz wie möglich zu halten.

Sei vorbereitet

In Australien war es eine Pfeife in Form eines Vogels.
In Neuseeland waren es kleine Plasteschalen, ein Seidentuch und Fotos sowie kurze Videos von sich selbst.

Zu jedem Zeitpunkt unserer Reise wussten wir, was Paul beschäftigt. Wir wussten (oder denken jedenfalls, dass wir es wussten), was ihm gefällt. Und das nutzten wir in Situationen aus, in denen wir den ausgeschlafenen Paul noch für ein paar Minuten (oder auch einmal ein paar Minuten mehr) hinhalten wollten.

Sei Dir im Klaren über die Vorlieben Deines Kindes und sei vorbereitet. Wenn ich an unseren Camper in Australien denke und die Fahrten entlang der Küste, höre ich in meinen Erinnerungen noch heute das Pfeifen von Paul. Pffffiiiiieeeep. Pfffiiiiiieeeeeep.

Der richtige Sitz, auch am anderen Ende der Welt

Bei einer Babyschale, die Zuhause gut funktioniert, würden wir immer empfehlen, diese auch mit auf Reisen zu nehmen. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen kann der Autokindersitz, sofern er den „For Use in Aircraft“-Sticker hat, auch im Flugzeug verwendet werden (warum das gut ist, erfährst du hier), zum Anderen weißt Du dann auch ganz genau, dass Dein Kind gut darin sitzen und schlafen kann.

Fahrerhaus

Fahrerhaus – Hier durfte Paul im selbst mitgebrachten Sitz sogar vorn Platz nehmen

Bei den größeren Sitzen ist der Transportaufwand ungleich höher. Die Teile wiegen dann schon einmal gern 15kg und sind sehr sperrig. Leider sind die Sitze bei Autovermietungen im Ausland häufig nicht aus der Oberklasse. Hier gilt es also abzuwägen und vor allem vor Ort darauf zu achten, dass ein passender Sitz angeboten wird und fachgerecht eingebaut wird. Nach einem Billigsitz-Erlebnis in Portugal, tendieren wir gerade dazu den Zusatzaufwand beim Transport des großen Autositzes beim nächsten Mal in Kauf zu nehmen.

Bäumchen wechsle Dich: Wer sitzt wo im Auto

Wenn Eva heute hin und wieder neben mir im Auto sitzt, wenn wir allein unterwegs sind, ist das fast ein wenig seltsam.

Bei uns hat es sich eingeschlichen, dass Eva mit Paul zusammen hinten sitzt. So kann sie im Falle der Fälle gleich eingreifen und ihn auch während einer Wachphase beschäftigen. Bei längeren Strecken halten wir auch manchmal kurz an und spielen Bäumchen wechsle Dich und Eva rückt nach vorn, wenn Paul eingeschlafen ist und geht wieder nach hinten, sollte er aufwachen. Meistens schlafen sie jedoch beide auf der Rückbank.

Die beste Situation – aus unserer Sicht – hatten wir in unserem Campervan in Neuseeland: Eine Sitzbank im Fahrerhaus für drei Personen. Alle in der ersten Reihe. Das war perfekt.

Bei Reiseübelkeit: Ob an Bord eines Bootes oder im Auto

Es war ziemlich genau mit 1,5 Jahren, als Reiseübelkeit für Paul und somit auch für uns ein Thema wurde. Wir haben gelesen, dass sich zu diesem Zeitpunkt der Gleichgewichtssinn noch einmal stark entwickelt und in diesem Zuge die Entscheidung fällt, wie wohl gesonnen ein Kind dem Autofahren gegenüber ist.

Wir hatten leider Pech.

Doch auch dafür findet sich eine Lösung. Wie bereits beschrieben, lindert Schlaf diesen Effekt. Vor langen Fahrten geben wir Paul jedoch nun Vomex Saft, der ausgesprochen gut hilft. Wir wären glücklicher, wenn es ohne dieses Hilfsmittel gehen würde, sind aber auch froh, dass es Abhilfe gibt.

 

Wie meisterst Du lange Fahrten mit Deinem Kind? Gibt es erweiterte Strategie für Autofahrten mit mehreren Kindern? Hast Du noch weitere Taktiken, die wir hier noch nicht auf dem Schirm haben? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

5 Kommentare

  1. Bei einem Kind ist es noch einfach die oben genannten Tipps umzusetzen. 😉 Mit drei Kindern dann schon nicht mehr, weil die Bedürfnisse oft so unterschiedlich sind und es ist dadurch für uns immer wieder eine sehr große Herausforderung. 😉

  2. Wir haben mit unseren beiden zum Glück noch keine längeren Strecken als 3 Stunden am Tag machen müssen. Beide machen keinen Mittagsschlaf mehr und es sitzen auch beide hinten. Dazwischen passe ich nicht bzw. manchmal bin ich auch alleine mit ihnen unterwegs.

    Meine Strategien sind:
    – Hörspiele hören
    – Essen: ja, das ist sehr doof. Aber so sind sie wenigstens beschäftigt für einige Minuten. Wenn es was Süßes gibt verbinde ich das gerne mit einem Spiel: wenn wir das 5. Mal Kühe / Trecker / … gesehen haben gibt es noch ein Gummibärchen.
    – nachts fahren

    • Hallo Angelika,
      danke für Deinen Kommentar! Essen hat natürlich Vor- und Nachteile, machen wir aber auch. Hörspiele sind eine tolle Idee, weißt Du noch ab welchem Alter das bei Euch funktioniert hat?

      Viele Grüße
      David

  3. Hallo!

    Wir waren gerade mit unserem Dreijährigen zwei Wochen in Florida mit dem Camper unterwegs. Am Anfang konnte er sich noch kaum länger selbst beschäftigen, aber er lernte mit jedem Tag dazu. Wir kamen alle immer mehr in den Rhythmus des Reisens und in die Entspannung.

    Unsere längste Fahrt an einem Tag war von Key West nach Orlando, insgesamt ca. 8 Stunden. Ich hatte richtig Panik vor dieser Strecke, weil ich selbst nicht gerne lange im Auto sitze und schon gar nicht mit einem quengelnden Kleinkind, aber es ging überraschend gut. Natürlich haben wir Pausen gemacht und ich hab mich schon auch mal zu ihm nach hinten gesetzt und ein Bilderbuch angeschaut, aber er konnte sich auch immer wieder gut allein beschäftigen.

    Sein Kindersitz (vor Ort bei Walmart gekauft) hatte zwei Halterungen für Getränke an den Seiten. Da rein bekam er Plastikbecher mit ein paar kleinen Spielsachen: Autos, Stifte, Playmobil-Männchen… Das hat gut funktioniert. Hörspiele mag er auch gern, da kann man ihn gut mal eine halbe Stunde bis Stunde beschäftigen. Am Anfang (ab ca. zweieinhalb) Leo Lausemaus, dann Feuerwehrmann Sam, ab und zu auch schon mal Drache Kokosnuss.

    Liebe Grüße

    Bee

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