Zum zweiten Mal in kurzer Zeit hat es uns nach Portugal verschlagen. Diesmal fernab vom portugiesischen Festland auf die Insel Madeira mitten im Nord Atlantik. Wir waren auf der Suche nach einem sehenswerten, warmen Reiseziel im Februar, dass sowohl für uns Erwachsene als auch unseren Sohn Paul (2) einiges zu bieten hat. Nebenbei sollte es obendrein noch zu unserem neuen Familienumstand passen: Denn wir reisen nun eigentlich schon zu viert, da Eva im nunmehr 7. Monat schwanger ist. Dieses Reiseziel haben wir mit Madeira für uns gefunden.

Madeiras umwerfende Natur

Allgemeines zur Insel Madeira

Spektakulärer Anflug auf die windige Insel

Der Flughafen auf Madeira zählt zu den interessantesten und anspruchsvollsten Anflügen der Welt. Piloten die hier landen wollen, benötigen sogar ein gesondertes Training. Grund sind die starken Seitenwinde, die kurz vor der Landung auftreten können und denen das Fluggerät vollkommen ausgeliefert wird. Nach 4,5 Stunden Flugzeit bei einem Flug ab Deutschland setzt dann das Flugzeug auf der Landebahn in Madeira auf.

Zur Info: Das ist jedoch nicht jeden Tag so. Wir hatten eine harmlose Landung und auch einen ruhigen Start beim Abflug.

Klima und Reisezeit

So richtig schlecht ist das Wetter auf Madeira eigentlich nie.

Klar, im Winter kannst Du hier keine 30°C erwarten, jedoch eine beachtliche Anzahl an Sonnenstunden und auch im Februar sonnige Tage mit 20°C und mehr. Aus unserer Sicht ein sehr gutes Ziel für einen trüben Wintermonat wie Februar. Trotz der angenehmen Temperaturen auch im Winter, ist in Madeira in dieser Zeit Nebensaison. Das heißt es gibt weniger Touristen (vor allem außerhalb der Ferienzeiten, falls ihr noch die Wahl habt) und günstigere Preise.

Traditionelles Strohdach-Haus: Das Wetter im Februar ist zeitweise durchwachsen, ändert sich jedoch an einem Tag oft mehrfach

Fortbewegung: Mietwagen auf Madeira

Immer wieder haben wir gelesen, dass andere Internetseiten vom eigenen Autofahren auf Madeira abraten. Das können wir so nicht bestätigen.

Ja, Madeira hat sehr steile Anstiege und abfällige Straßen und ja, es gibt auch die obligatorischen engen Straßen nahe eines Abgrunds. Aber: In der Regel sind die Straßen sehr gut ausgebaut. Vor allem die Hauptverkehrswege sind in einem guten Zustand und Strecken, die in der Vergangenheit nur über die Bergpässe befahrbar waren und damit langwierig und anstrengend, wurden durch eine Vielzahl an Tunnel zugänglicher gemacht.

Eine der „wilden“ stillgelegten Pisten auf Madeira: Heute gibt es einen Tunnel für diese Strecke

Wer also keine Angst vorm Autofahren hat und auch das Anfahren am Berg einigermaßen sicher beherrscht, braucht nicht davor zurückschrecken hier selbst die Hand ans Steuer zu legen. Es wird auf der rechten Seite gefahren und in der Nebensaison ist der Verkehr sehr überschaubar.

Der Mietwagen bietet außerdem beim Reisen mit Kind immer einen unschlagbaren Vorteil gegenüber jeder Tour: Du bist Dein eigener Herr und kannst Dir die Zeit und Route einteilen. Du kannst Dich voll und ganz auf den Rhythmus Deines Kindes einlassen.

Was es auf Madeira zu erleben gibt

Vulkanische Geschichte und steile Küsten

Madeira ist aus Lava entstanden. Doch das liegt nun schon eine ganze Weile zurück.

Aus diesem Grund hatte die Natur Zeit sich das Stückchen Land zu erobern. Madeiras Landschaftsbild ist nicht von schwarzer Lava geprägt, sondern grün und bunt. Der Zweitname der Insel lautet nicht umsonst Garteninsel.

Zurück erobert

Die vulkanische Geschichte kann aber auch heute noch hautnah erlebt werden, zum Beispiel beim Begehen von Lava Tubes in Sao Vincente: Das sind Tunnel, die bei einer Eruption eines Vulkanes entstanden sind und durch die einst heiße Lava geflossen ist. So etwas haben wir schon einmal in Neuseeland gesehen, waren jedoch auch hier wieder begeistert.

Ein kleiner Teich in der Lava Tube

Das Bild der Insel ist außerdem durch die schroffen und steilen Klippen und steil aufragende Berge geprägt. Madeiras Steilküste bietet unter anderen eine der höchsten senkrecht abfallenden Küsten der Welt (und die höchste in Europa!) mit einer Höhe von über 580 Metern. Und das Beste: Du kannst auf eine Glasplattform an dieser 580 Meter hohen Klippe treten, die Dir diese Höhe noch einmal nachdrücklich veranschaulicht (Cabo Girão).

Die Glasplatform erfordert ein wenig Mut

Aber der Blick nach unten ist sehr sehenswert

Portugiesische Altstadt in Funchal

Künstlerisch geht es in der Rua de Santa Maria zu. Die Anwohner der Straße haben ihre Haustüren durch Künstler bemalen und gestalten lassen oder es ebenso anschaulich selbst in die Hand genommen. Herausgekommen ist ein Kunstwerk, dass nach und nach abgelaufen werden kann. Zwischendrin kann in kleinen Geschäften und Restaurants eine Pause eingelegt werden.

Paul vor einem der Kunstwerke

Auf keinen Fall fehlen sollte auch ein Besuch des Marktes Mercado dos Lavradores. Hier zeigt sich wie vielfältig die Obst- und Gemüselandschaft Madeiras ist. Hier darf auch gern gekostet und probiert werden. Beim Kauf gibt es jedoch einen saftigen Aufschlag für die Location – auf anderen Märkten wird nur ein Bruchteil für die gleiche Ware fällig.

Frisches Obst und Gemüse: Probieren ist erlaubt

Der Mercado von oben

Ab in die Höhe geht es mit der Gondelstrecke von Funchal (Meereshöhe) nach Monte mit der Teleferico Funchal-Monte. Es geht in 15 Minuten hoch auf 600 Meter Höhe mit einem schönen Ausblick über die Hafenstadt. Am oberen Ende der Seilbahn kann der botanische Garten besucht werden und der Rückweg mit den traditionellen carrinhos de cesto angetreten werden (oder auch wieder die Gondel benutzt werden). Bei den carrinhos de cesto handelt es sich um alte Holzschlitten in denen es dann den Berg herunter geht.

Hoch hinauf geht es mit der Gondel

Spielplatz Tipp: Direkt am Parkplatz zum Fortelaza do Pico gibt es ein kleines Café und, in für Eltern passender Kombination, einen sehr schönen Spielplatz. Und noch besser: Hier gehen auch die Einheimischen gern mit ihren Kindern hin!

Restaurant Tipp: O Regional, unmittelbar an der Gondelstation in Funchal. Lasst Euch nicht das hausgemachte Knoblauchbrot, die typische Tomaten-Zwiebelsuppe und die Meeresfrüchte-Spaghetti entgehen. Einfach umwerfend gut!

Spaghetti mit Meeresfrüchten im O Regional

Natur-Pools in Porto Moniz

Im kleinen Ort Porto Moniz am nord-westlichen Ende der Insel existieren natürliche Pools, die ebenfalls aus der vulkanische Geschichte der Insel herrühren. Diese werden hin und wieder durch die Wellen des Meeres mit neuem Wasser versorgt und bieten eine geschützte, natürliche Badelandschaft für die Besucher. Nebenbei sind die Pools ein gutes Stück wärmer als der Atlantik – gut vor allem im Februar.

Natural Pools

Sehenswerte Autostrecken und Bergpässe

Die Verkehrswege sind durch den immensen Bau von Tunnel durch die bergige Landschaft auf Madeira schon deutlich entschärft wurden. Dennoch gibt es weiterhin sehenswerte Pisten (z.B. die Straße ER110), die etwas mutigere Fahrer auch wahrnehmen können. Und für die Ausblicke, die sich entlang der Strecke ergeben, lohnt sich die Fahrerei auf jeden Fall.

Manchmal wird etwas Regen und das Fahren von abgelegenen Straßen auch belohnt

Leckeres Essen

Unser Favorit der Küche Madeiras war eine einfache Tomatensuppe mit einem pochierten Ei in der Mitte und einem gehörigen Anteil an Zwiebeln.

Tomatensuppe

Madeira hat jedoch auch eine große und bunte Auswahl an Früchten: Bananen und Maracuja (sowie viele Andere, die ich nicht einmal bestimmen kann) ohne Ende.

Außerdem gibt es natürlich ein breites Angebot an Meeresfrüchten und Fischgerichten.

Was tun bei schlechtem Wetter?

Natürlich kann es, gerade in den Wintermonaten, auch auf einer Insel wie Madeira mal unangenehm werden. Das drückt sich dann zumeist in Regen und/ oder Wind aus. Doch das muss nicht bedeuten, dass der besagte Urlaubstag verloren ist.

So oder so sind die meisten Regenphasen nur temporär und decken nicht den gesamten Tag ab. Auf Madeira lohnt es sich auch immer einen Blick auf die Wetter-Apps zu haben und das Wetter auf der anderen Seite der Insel zu prüfen. Wir sind dem Regen in Funchal auch mal schnell entkommen, indem wir die 40 Minuten nach Porto Moniz gefahren sind. Dort hatten wir 22°C und Sonne.

Hotelauswahl auf Madeira

Wir haben bei unserer Winterbuchung darauf geachtet, dass unser Hotel einen Indoor Pool, ein Fitnessstudio und ein Spielzimmer für Paul bietet. Somit ist auf jeden Fall im Hotel ein wenig Entertainment an regnerischen Tagen vorhanden.

Aktivitäten bei schlechtem Wetter

Ja, Madeira ist eine „draußen Insel“. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die auch bei schlechtem Wetter gehen. So kann zum Beispiel das Aquarium in Porto Moniz bei schlechtem Wetter als Unterschlupf dienen, oder das Madeira Story Center in Funchal.

Fischen gucken

Unser Fazit zu Madeira im Winter

Machen! Wir haben die Zeit dort sehr genossen und halten Madeira für ein lohnendes Ziel im Winter. Wir können uns sogar vorstellen das Ziel im kommenden Winter noch einmal für ein paar Tage anzufliegen.

Einziger Nachteil: Der Mittelstreckenflug. Auf diesen Flügen gibt es kein (oder weniger) Entertainment, wenig Platz und dennoch sind es 4,5 Stunden, die vergehen müssen. Da heißt es sich gut vorzubereiten und auch für die Kinderbespaßung zu sorgen. Bestenfalls (das ging bei Air Berlin recht gut) können die Flüge auf eine Schlafphase (bei uns war es der Mittagsschlaf) gelegt werden.

 

Warst Du bereits auf Madeira? Wie hat es Dir gefallen? Hast Du weitere Mittelstrecken-Tipps für ein wenig Sonne im Winter? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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