Endlich geht es wieder los. Für eine längere Zeit reisen können ist ein Privileg und wir genießen dieses Privileg ein zweites Mal. Nach der Elternzeitreise mit Paul durch Singapur, Australien, Neuseeland und Thailand, bewegen wir uns diesmal mit einem Caravan am eigenen Auto durch Europa. Den Fokus wollen wir dabei auf Italien und das südliche Frankreich legen.

Erste Meter mit vollem Gespann in Italien (Brennero)

Die Anreise

Unser wirklicher Start zur Reise liegt mehr als 1.100 Kilometer nördlich unseres ersten Campingplatzes am Gardasee. Die Strecke bis dahin von Potsdam nach Peschiera Del Garda wollten wir nicht in kleinen Etappen über Tage und Wochen hinter uns bringen, sondern so konzentriert wie möglich.

Das klappte auch sehr gut. Nach dem Beladen des gemieteten Hängers im heimischen Potsdam, fuhren wir – eine Schlafphase von Jonah nutzend – am Nachmittag los. Zum Abendessen und Austoben legten wir eine lange Pause ein, bevor wir bis zur österreichischen Grenze in einer Nachtfahrt durchfuhren. Auf einem Parkplatz schliefen wir ein paar Stunden – zum ersten Mal im Wohnwagen – bevor wir am nächsten Tag über den Brenner Italien erreichten. Mit nur einer weiteren Pause erreichten wir dann auch Peschiera am wunderschönen Gardasee.

Der wesentliche Unterschied zwischen Wohnwagen und Campervan

In den letzten Camperreisen waren wir mit einem Campervan oder Wohnmobil unterwegs. Da wir ohnehin das Gefährt überall mit hinfahren mussten, zogen wir kontinuierlich alle eins, zwei oder drei Tage weiter.

Mit dem Wohnanhänger wollen wir das bei dieser Reise anders machen. Wir wollen den Wagen stationär für etwa eine Woche abstellen und von dort aus – dann nur mit dem nun befreiten Auto – Tagesausflüge machen.

Gesagt, getan. In Peschiera Del Garda parken wir unseren Wohnwagen zum ersten Mal (gar nicht so einfach!) und werden ihn dort tatsächlich ganze acht Nächte an Ort und Stelle stehen lassen.

Peschiera Del Garda

Auch die Tagesausflüge gestalten sich wie erhofft einfach. Ein Potpourri aus Fortbewegungsmitteln bringt dazu auch noch Abwechslung mit sich: mit dem Zug nach Verona, mit dem Rad bis nach Monzambano und mit dem Auto nach Venedig, Sirmione und Malcesine. Wir sind flexibel und brauchen dazu nicht jeden Tag alles fahrbereit im Camper verstauen.

Mit dem Rad nach Monzambano

Einzig das Fahren und Parken mit dem Anhänger ist etwas langsamer und nervenaufreibender als das Fahren mit dem Campervan. Daran gewöhnt man sich jedoch schnell und auf den Plätzen gibt es zum Schieben des Anhängers an die richtige Stelle auch schnell genügend fleißige Helfer.

Die Ausflüge: Eine Portion Norditalien

Bei unserer ganzen Reise sind wir uns einer Sache sehr bewusst: wie immer können wir nicht alles sehen. Und diesmal wollen wir auch gar nicht erst die Versuchung aufkeimen lassen. Wir wollen in Ruhe die Gegenden erkunden und nicht so häufig unseren Stellplatz wechseln.

Aus unserer ersten Basis in Peschiera Del Garda nutzen wir daher die Gelegenheit die kleinen Orte Sirmione und Malcesine zu erkunden und auch Verona und Venedig in der etwas weiteren Entfernung. Aufgrund des Wetters entscheiden wir uns gegen einen weiteren Ausflug nach Bergamo.

Verona

Verona – zumindest das historische Zentrum – ist eine kleine, hübsche Stadt. Durch die Verbindung zu Romeo und Julia existiert ein gewaltiger Besuchermagnet: die Casa di Guilietta. Der Balkon im Innenhof des gotischen Baus soll Shakespeare zu seinem Werk inspiriert haben. Leider ist diese Sehenswürdigkeit schon in der Vorsaison deutlich überlaufen und kann daher nicht so recht begeistern. Dennoch: die Wand in der die kleinen Liebesbriefe und Botschaften hängen ist dennoch romantisch sehenswert.

Julias Balkon

Briefe an Julia

Und auch neben Romeo und Julia hat Verona einiges zu bieten. Neben den offensichtlichen Dingen, die wohl fast in ganz Italien der Fall sind (Eis, Pizza, Pasta), beheimatet Verona eine sehr alte, gut erhaltene Arena, ähnlich dem Colosseum in Rom.

Arena in Verona

Verona ist aus vielen Zielen – so auch vom Gardasee – gut per Bahn oder Auto erreichbar. Wir haben uns für die Variante mittels der sehr günstigen Regionalzüge entschieden. Mit Kinderwagen war dies jedoch in den recht vollen Zügen eine kleine Herausforderung. Auf dem Rückweg entschieden wir uns für ein – immer noch recht günstiges – Ticket in der ersten Klasse des Regionalzuges. Das verbesserte die Situation um Längen und wir konnten entspannt, während in Verona ein sehenswerter Platzregen nieder prasselte, den Rückweg nach Peschiera antreten.

Sirmione

Sirmione liegt an der Spitze einer kleinen Halbinsel, die am südlichen Ende des Gardasees in diesen hineinragt. Die Stadt ist bis auf wenige Fahrzeuge mit Sondergenehmigung autofrei und kann einfach zu Fuß – auch mit Kinderwagen – erkundet werden.

Bei noch durchwachsenem Wetter geht es in die (fast) autofreie Stadt

Wir haben bei diesem Ausflug gepokert und sind bei durchwachsenem Wetter nach Sirmione aufgebrochen. Der Mut wurde belohnt, da die Sonne kräftig aus den Wolken hervor trat und bestes Wetter prophezeite. Da das vorerst schlechtere Wetter einige andere Besucher zurückhielt hatten wir weder ein Problem einen Parkplatz ganz in der Nähe zu finden, noch die Stadt in Ruhe entlang des Panoramaweges zu entdecken. Als wir langsam dem Rückweg antraten, sah diese Situation, trotz Vorsaison, deutlich anders aus. Die Stadt füllte sich schnell und Parkplätze waren Mangelware. Wir vermochten uns gar nicht vorzustellen, wir diese kleinen Orte am Gardasee in der Hauptsaison überrannt werden.

Sirmione bei schon besserem Wetter

Kleine Gassen in der historischen Altstadt

Malcesine

Malcesine hat, zusammen mit Sirmione, wirklich einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen und unterstrichen wie wahnsinnig schön der Gardasee und seine Umgebung sind.

Malcesine

Klares Highlight in Malcesine ist die Burg Scaliger, von deren Turm sich ein unbeschreiblich schöner Blick über die Stadt, den See und die direkt angrenzenden Berge ergibt. Der Aufstieg zum Turm ist einfach und konnte von Paul (3) allein und Jonah in der Babytrage bewerkstelligt werden. Der Kinderwagen kann an der Burg sicher abgestellt werden.

Blick von der Burg Scaliger in Malcesine

Der Rest der Altstadt, die sich direkt an der Burg befindet, kann leicht zu Fuß angesehen werden. Zum leckeren und freundlich bewirteten Mittagessen empfehlen wir Pizzeria Ristorante Al Marinaio.

Auch bei Sirmione mögen wir uns gar nicht vorstellen, wie die Besucherströme im Sommer die Stadt im Bann halten.

Venedig

Ich gebe zu bei Venedig habe ich gezögert. Ich hatte bedenken, dass die Stadt schon jetzt in der Vorsaison zu voll wäre und potenziell schwieriger mit Baby und Kleinkind – und dazu bestenfalls noch mit Kinderwagen – zu erkunden. Ich war bereits einmal in Venedig und hatten derartige Erinnerungen.

Wir versuchten es dennoch. Also fuhren wir die knapp zwei Stunden nach Venedig und parkten unser Auto im („leicht“ überteuerten) Parkhaus St. Marco. Für nur 35 Euro ein wahren Schnäppchen. In der 8. Etage des Parkhauses dann weiteres Unbehagen: ich solle doch bitte den Schlüssel zum Fahrzeug drin liegen lassen, damit der Aufseher die Fahrzeuge, die in mehreren Reihen zur Maximierung der Flächennutzung stehen, bei Bedarf umparken kann. Nun gut Venedig, bis dahin also Erwartungskonform.

Immerhin der Blick vom überteuerten Parkplatz ist gut

Ab da wurden wir jedoch ausschließlich positiv überrascht. Venedig war die Vorsaison stark anzumerken und so konnten wir die fast leere Stadt bestens zu Fuß erkunden und auch die Stufen der vielen Brücken, an denen wir den Wagen heben mussten, waren kein wirkliches Hindernis. Während wir den Dogenpalast sowie Markusdom und –Turm betrachteten, jagten Paul und Jonah die vielen Tauben auf dem Markusplatz. Wir schlenderten entspannt durch die engen Gassen, über die vielen Wasserstraßen und über unzählige Brücken. Auch die Rialtobrücke – sonst wird man als Tourist dort im Strom der anderen Touristen einfach drüber geschoben – konnten wir leicht überqueren und dabei sogar in Ruhe anhalten und den Blick auf den Canal Grande genießen.

Die Jungs auf dem Markusplatz

Die Rialtobrücke

Canal Grande von der Rialtobrücke

Wunderschönes Venedig

Auch mit Kinderwagen in Venedig muss nicht auf eine Bootsfahrt verzichtet werden: mit einer der Vaporetto Linien lässt sich zum Beispiel der Weg von San Toma – in der Nähe der Parkplätze – bis nach San Marco in der Nähe des Markusplatzes überbrücken.

Paul auf dem Vaporetto

Dolce Vita

Italien zu genießen ist einfach. Und das beginnt schon direkt in Norditalien. Wir haben die Zeit am Gardasee sehr genossen und mochten auch unseren ersten Campingplatz dieser Reise, den Campeggio Del Garda.

Der nächste Halt ist an der Adriaküste in der Nähe von Rimini und San Marino. Endlich Meer!

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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