Hin und wieder erreichen mich Fragen wie ich bestimmte Bilder, die wir hier zeigen, aufgenommen habe. Besonders häufig betrifft es die Sternenhimmel- und Milchstraßen-Bilder, die in Neuseeland und auf Hawaii entstanden sind. In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen zu diesem Thema mit Dir teilen. Vor allem, weil es weniger um die Kameraeinstellungen geht, als um andere Parameter.

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Sternenhimmel über dem Halema‘uma‘u Vulkan (Hawaii)

Der Mond

Was hat der Mond mit Sternenfotografie zu tun? Mehr als Du vielleicht eingangs denkst.

Nicht, dass er ein Bestandteil Deines Bildes sein soll, jedoch kann der Mond einen großen Einfluss auf die grundlegende Möglichkeit haben, einen Sternenhimmel gut zu fotografieren. Denn: Ist der Mond zu hell, sind von der Erde aus weniger Sterne zu sehen und Dein Bild wird keinen beeindruckend vollen Sternenhimmel zeigen. Ebenso wirst Du nur schwer die Milchstraße mit bloßem Auge – und vermutlich auch nicht mit der Kamera – sehen können. Wir brauchen also als Grundlage eine möglichst dunkele Nacht.

Deshalb gilt: Prüfe die Mondphasen und warte bestenfalls auf Neumond für das optimale Foto. Dazu kannst Du eine Mondphasen-Übersicht nutzen, die Dir genau aufzeigt, wann die nächste Chance kommen wird.

Wolken

Bei durchwachsenem und schlechtem Wetter sind zumeist Wolken am Himmel. Diese versperren die Sicht auf den Sternenhimmel und verderben damit auch Dein Foto. Du kannst auf Wolkenlücken für Deine Aufnahme warten, jedoch dürfen während der gesamten Belichtungszeit keine Wolken in den Aufnahmebereich ziehen. Sonst hast Du verschmierte, graue Fetzen über Deinem sonst schönen Sternenhimmel. Bei einer normalen Aufnahme eines Sternenhimmels belichtest Du zwischen 10 und 20 Sekunden, bei so genannten Star-Trail Fotos (in denen die kreisförmige Bewegung der Sterne ersichtlich wird) sogar einige Stunden. Eine entsprechende Lücke zu finden ist daher sehr schwer.

Generell ist also auch das Wetter ein großer Faktor bei Deinem Vorhaben ein tolles Sternenhimmel-Bild zu schießen.

Die Farm bei Nacht - der Sternenhimmel war unglaublich schön

Milchstraße mit einer Farm in Neuseeland im Vordergrund

Versuch einer Star-Trail Aufnahme - die Bewegungen über eine Stunde in einem Bild festgehalten

Versuch einer Star-Trail Aufnahme – die Bewegungen über eine Stunde in einem Bild festgehalten

Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung bezeichnet die massive Aufhellung unseres Nachthimmels durch küstliche Lichtquellen. Wer einmal den Nachthimmel über einer Großstadt gesehen hat – und dabei keine Sterne entdecken konnte – kennt dieses Phänomen. In solchen Gebieten kannst Du den Gedanken an Sternenfotografie direkt verwerfen.

Um herauszufinden wo Du überhaupt mit einem sichtbaren Sternenhimmel rechnen kannst, verwendest Du am besten eine Light Polution Map. Diese zeigt Dir die Stärke der Lichtverschmutzung auf der Erde auf einer Karte an. Außerdem kannst Du Dich über die weltweit verteilten Dark Sky Reserves informieren, die Gegenden auszeichnen, die besonders wenig Lichtverschmutzung aufweisen. In Deutschland sind das beispielsweise das Gebiet an der Rhön und im Westhavelland.

Wind

Wie schon beim Thema Wolken beschrieben, ist das Wetter ein wichtiger Faktor. Doch selbst ohne Wolken am Himmel und ohne Lichtverschmutzung und Mondlicht, kann Dir noch ein Strich durch die Rechnung gemacht werden.

Starker Wind kann – je nach Ausstattung und Stabilität deines Stativs – ein Problem werden. Durch die relativ lange Belichtungszeit, die für solche Aufnahmen notwendig ist, muss die Kamera möglichst still und stabil gehalten werden. Aus der Hand können solche Fotos also definitiv nicht geschossen werden. Und selbst mit Stativ werden die Bilder nur dann scharf, wenn keine Wackler entstehen. Bei starkem Wind bedarf es daher eines stabilen (und auch recht schweren) Stativs – oder einer Menge Geduld, um hier auf eine Phase mit wenig Wind zu warten.

Mount Cook bei Nacht

Mount Cook bei Nacht

Ausrüstung

Für das eigentliche Foto benötigst Du Deine Kamera mit Objektiv (am besten mit kleiner Brennweite/ Weitwinkel) und ein sehr stabiles Stativ. Zusätzlich dazu habe ich eine LED Headlamp bei solchen Aufnahmen immer dabei – ich will ja schließlich den Weg zu meinem gewählten Ort finden. Und im besten Falle auch wieder zurück.

Mein Setup für eine solche Aufnahme sieht daher wie folgt aus:

Kameraeinstellungen

Nun kommen wir zu dem eigentlich fast unwesentlichen Teil der Vorbereitungen: Den Kameraeinstellungen. Da Du diese komplett selbst in der Hand hast, sehe ich diesen Teil als leichteste Übung.

Finde einen geeigneten Ort und stelle Dein Stativ und Deine Kamera auf.

Stelle Deine Kamera auf den manuellen Modus (Canon: M). Dieser Modus erlaubt es Dir sowohl die Belichtungszeit als auch die Blende und den ISO-Wert selbst zu bestimmen. Die Blende sollte bei Sternenfotografie vollkommen offen sein, dass heißt die Blenden-Zahl so gering wie möglich (z.B. f/4). Für die Belichtungszeit stellen wir vorerst 15 Sekunden ein.

Für den ISO-Wert wählen wir für den Start ISO 3200 aus.

Richte die Kamera aus und stelle manuell scharf (Autofokus/ AF ausstellen). Löse aus. Nutze dazu entweder eine Fernbedienung oder einen Timer in Deiner Kamera. Löst Du mit der Hand aus, wirst Du die Aufnahme bereits dabei verwackeln.

Kontrolliere nach einer Testaufnahme, ob die Aufnahme scharf ist. Sollte sie es nicht sein wiederhole nach immer wieder kleinen Anpassungen die Kontrolle, bis Du zufrieden bist. Nutze zur Kontrolle des Bildes auch den Zoom auf dem Kamera-Display bei der Wiedergabe Deines Bildes, damit Du auch im Detail bewerten kannst, ob das Bild scharf ist.

Im Grunde bist Du dann schon an Deinem Ziel angekommen: Ein Foto vom Sternenhimmel.

Sternenhimmel

Sternenhimmel am Mauna Kea auf Hawaii

Du kannst jetzt noch ein wenig mit der Belichtungszeit und dem ISO-Wert experimentieren. Je höher der ISO-Wert, desto mehr Rauschen wirst Du auf deinem Bild bekommen. Bei einer guten Kamera solltest Du bis ISO5000 keine größeren Probleme haben, vor allem wenn Du das Rauschen im Nachgang mit Lightroom etwas eindämmst.

Belichtest Du länger (z.B. 20 Sekunden oder 30 Sekunden), wirst Du merken, dass Du bereits die natürliche Bewegung der Sterne auf Deinem Bild erkennen kannst. Das lässt Dein Bild dann ebenfalls unscharf aussehen. Deswegen musst Du das perfekte Zusammenspiel zwischen Belichtungszeit und ISO-Wert für Deine Lichtverhältnisse finden.

Fazit

Ein gutes Foto von einem perfekten Sternenhimmel machen ist technisch gar nicht so schwer. Viel mehr ist es eine Glückssache den richtigen Ort zur richtigen Zeit zu finden. Wir haben alle entscheidenden Parameter immer frühzeitig geprüft und beobachtet, um unsere Sternenbilder aufnehmen zu können. Und am Ende denke ich, dass es dann den Aufwand wert war.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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