Nachdem wir in Australien „über unsere Verhältnisse“ gelebt haben, da wir ein Upgrade bekommen hatten, begnügen wir uns in unserer Zeit in Neuseeland mit genau dem Campervan, den wir auch gebucht hatten: Einen Mighty Double Down.

Das Fahrzeug: Mighty Double Down

Bei dem Fahrzeug handelt es sich eigentlich um einen Toyota Hiace aus dem Jahr 2009 (unser Modell hat 210.000km auf der Uhr) mit einem Hitop-Aufbau (statt dem normalen Dach ist ein Aufbau für eine maximierte Deckenhöhe, mehr Stauraum und zwei Schlafplätze unter dem Dach vorhanden).

Der Camper in seinem natürlichen Umfeld

Der Camper in seinem natürlichen Umfeld

Mit einem vollem Tank kommen wir in Neuseeland mit unserem Mighty durchschnittlich 500km weit. Für das Volltanken beim aktuellen Umrechnungskurs (0,61 EUR entspricht 1 NSD) berappen wir etwa 55$/ 34€.

Der Camper liegt gut auf der Straße, ist sogar mit Allrad-Antrieb ausgestattet und kommt auch bei stärkeren Anstiegen nicht zu sehr ins Schwitzen. Und das Beste: Es klappert und kracht viel weniger, als noch im großen Wohnmobil in Australien. Für uns nach den Wochen in Australien eine Wohltat für die Ohren.

Durch die recht kompakte Größe, kommen wir in den Genuss normale Parkplätze mühelos nutzen zu können und auch in Städten wie Auckland, Wellington oder Queenstown schnell einen Platz zu finden.

Und durch das ruhige Fahrverhalten schläft Paul viel ruhiger in seinen Mittagsschläfchen im Auto, sodass wir unsere Strecken sehr gut planen können.

Die Sitzplatzsituation

Es gibt im Campervan Platz für maximal fünf Personen während der Fahrt. Es existieren drei Sitze im Fahrerhaus. Der Mittelsitz ist jedoch etwas höher gelegen und wird in den meisten Fällen umgeklappt und als Mittelarm-Lehne verwendet.

Ganz hinten im Auto (direkt an der Heckklappe gelegen) gibt es zwei weitere Plätze.

Es gibt keinen Durchgang vom Fahrerhaus zum „Wohnraum“.

Der Kindersitz

Jetzt kommt ein sehr spannendes Thema.

Wir haben diesen Camper-Van gebucht (und keinen 2/3-Bett Camper-Van), da diese dann nur im Front-Bereich Sitze verbaut haben und die Grundregel in Neuseeland lautet: Kindersitze dürfen nicht vorn befestigt werden. Die Wahl fiel auf den Double-Down, da er als 4-Bett-Camper im hinteren Bereich ebenfalls Sitzplätze hat, die für einen Kindersitz geeignet sind.

Das stimmt jedoch so nicht in jedem Falle.

Die Erkenntnis kam, als wir feststellten, das unser Kindersitz nicht auf den hinteren Sitzen befestigt werden kann. Die Gurte sind schlicht weg nicht lang genug. Eine Extension passte nicht, beziehungsweise lockerte das Geflecht zu sehr auf und war uns zu unsicher.

Ein Auszug aus den neuseeländischen Verkehrsgesetzen zeigte dann jedoch, dass Sitze vorn befestigt werden können, sofern kein Airbag vorhanden (oder aktiviert) ist und es ein Rear-Facing-Seat ist und es keine Alternative im Fahrzeug gibt. Dieser Fall ist bei uns vorhanden und so fährt Paul vorn mit. Eben doch wie in Deutschland, auch wenn die Gesetzeslage nicht ganz klar ist (auch nicht mit dem Zettel).

Wir mussten das bisher noch nicht mit einem neuseeländischen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle erörtern, jedoch haben wir von Mighty einen Ausdruck dieser Passage dabei und fühlen uns erstmal für eine solche Situation gerüstet.

Wir sitzen also alle Drei vorn. Paul links, Eva in der Mitte und David rechts am Steuer.

Fahrerhaus

Fahrerhaus

Die Schlafsituation

Grundsätzlich haben wir vier Schlafplätze zur Verfügung. Zum einen das Bett, das im unteren Teil des Campers hergerichtet werden kann und zum Anderen ein Bett im oberen Aufbau des Campers.

Das Bett im unteren Teil des Campers kann durch hartnäckiges Kissen-Tetris zusammengebaut werden. Wir haben nun unser perfektes Setup gefunden und lassen das Bett permanent so bestehen und rühren es nur an, wenn wir an den Stauraum darunter müssen oder wir das Bett neu beziehen.

Das Bett im Aufbau nutzen wir nicht. Es ist sehr eng in der Höhe und wird von uns als Stauraum verwendet. Das Bett würde zur Nacht mit Hilfe der Holzplatten aufgebaut werden und die Deckenhöhe des Wohnraums reduzieren. Eine kleine Leiter für den Aufstieg wäre dabei.

Wir schlafen alle in dem unteren Bett. Dort ist für uns genügend Platz. Paul betten wir an der einen Seite, da dort ein Einschub am Kopfende vorhanden ist, der Erwachsenen den Platz ganz außen zum Schlafen unmöglich macht. Dort liegt er geschützt und kann abgeschirmt werden, wenn er schon schläft und wir (bei schlechtem Wetter) drinnen sitzen, Artikel schreiben und die kommenden Tage planen. Wir schirmen ihn dann mit Decken, die wir an der Decke befestigen vor dem Licht der Lampen ab.

Bett im unteren Bereich, oben das zweite Bett (eingeklappt) als Stauraum

Bett im unteren Bereich, oben das zweite Bett (eingeklappt) als Stauraum

Die Nachtruhe

In Neuseeland wird es im Sommer spät dunkel und zeitig hell. Das verträgt sich mit Baby-Schlafzeiten nicht so prächtig, sodass eine gute Abdunkelungs-Strategie notwendig ist. Leider sind die Vorhänge nicht „maßgeschneidert“, sodass wir mit Gaffa-Tape, Tüchern und Schnuren nachhelfen, um den Camper entsprechend in den Nachtmodus zu überführen.

In warmen Nächten können wir die zwei seitlichen Fenster im Aufbau sowie die Dachluke zum Lüften verwenden (da diese Fliegengitter haben), ohne vor Sandflies Angst zu haben. Es gibt zwei weitere kleine Schiebefenster unten, die jedoch nicht vor „Angriffen von außen“ gesichert sind.

Um eine wirklich ruhige Nacht zu haben, schalten wir den Kühlschrank hier immer aus. Erst am Morgen wird er reaktiviert. Bei Nachttemperaturen von 5 – 10 °C ist das kein Problem und das Dröhnen des Kühlschranks bleibt auf den Tag beschränkt.

Die Küche

Die Küche ist simpel und schnell erklärt. Es gibt einen Gasherd mit nur zwei Flammen. Für die meisten Camping-Gerichte vollkommen in Ordnung. Darüber hinaus gibt es einen Kühlschrank mit Tiefkühlfach (das wir jedoch nicht benutzen, da wir dann den Kühlschrank in der Nacht nicht ausschalten könnten).

Der Kühlschrank wird mit der zweiten verbauten Auto-Batterie betrieben und stellt bei angeschlossenem Strom automatisch auf diese Versorgung um.

Weiterhin existiert eine Mikrowelle, ein Wasserkocher und ein Toaster. Diese Geräte können jedoch nur verwendet werden, wenn der Camper-Van an eine Stromquelle angeschlossen ist.

Blick von hinten auf die Küche

Blick von hinten auf die Küche

Die Küche ist also praktikabel und vollkommen ausreichend, wenn Plätze in der Natur gewählt werden, die keine Alternativen bieten. Jedoch gibt es viele Camp-Sites (auch DOC Serviced Sites), die ein Küche anbieten. In diesen Fällen sind wir auf eben solche ausgewichen, da wir dort mehr Platz haben und die Ordnung im Camper-Van weniger leidet.

Toilette und Dusche

Fehlanzeige. Ist in diesem Modell nicht vorhanden.

Beides fehlt uns eigentlich auch nicht, jedoch hat die Sache einen Haken: Der Camper-Van ist damit nicht „Certified Self-Contained“. Das bedeutet, dass nicht gewährleistet ist, dass alle „Abfälle“ der campenden Personen auch im Fahrzeug bleiben. Denn wohin gehen, wenn die Blase drückt, der Camper in der Natur steht und keine Toilette vorhanden ist?

Nur mit diesem Merkmal, darf auf Campingplätzen gestanden werden, die diese Grundbedingung haben und nur mit diesem Merkmal darf wirkliches „Freedom Camping“ (wild Campen) betrieben werden. Das ein oder andere Mal bei der Wahl unseres Stellplatzes sind wir traurig, dass wir nicht Self-Contained sind und weichen auf andere (ebenfalls schöne Plätze aus).

Self-Contained muss jedoch nicht immer gleich „riesiges Wohnmobil“ heißen: Auch kleine Camper-Vans sind zum Teil durch portable Bio-Toiletten zertifiziert (so gesehen bei den kleinen 2-Bett Mighties und vor allem bei Jucy). Auch auf den Stellplätzen für nur Self-Contained Fahrzeuge gibt es häufig Toiletten, sodass die portablen Geräte selten (nie?) zum Einsatz kommen.

Unsere Wahl in Neuseeland würde das nächste Mal auf ein solches Modell fallen.

Wasser im Camper

Es gibt einen großzügigen Wassertank, der durch eine Pumpe (batteriebetrieben) kaltes Wasser in die Spüle bringt. Der Abfluss der Spüle landet dann im Waste-Water-Tank, der gelegentlich an einer Dump-Station entleert werden muss.

Der Frischwasser-Tank kann an allen Wasserhähnen mit Trinkwasser befühlt werden. Dazu liegt ein passender Schlauch bereit. Für das Entleeren des Waste-Waters ebenfalls.

Camper von der Seite

Camper von der Seite

Camper von der Seite

Camper von der Seite

Strom im Camper

Die Versorgung des Kühlschranks und der Wasserpumpe wird über eine zweite Autobatterie sichergestellt.

Ist ein Campingplatz mit Strom vorhanden, kann über ein Stromkabel das Fahrzeug verbunden werden. Dann funktionieren auch die Steckdosen im Inneren des Fahrzeugs (zwei über der Arbeitsplatte der Küche, zwei im Eck-Schrank der Küche für Mikrowelle und Kühlschrank).

Unsere Handys und Kindle laden wir während der Fahrt mit dem 12V-Anschluss (Zigarettenanzünder). Leider gibt es hier keinen 12V-Anschluss, der die zweite Batterie nutzt im Wohnbereich. Außerdem laden wir eine Power-Bar an jedem Ort, an dem wir einen richtigen Stromanschluss haben. Somit sind wir recht lang autark unterwegs.

Stromanschluss

Stromanschluss

Stauraum

Mangelware!

Es gibt in der Küche nur vier Schubfächer und einen kleinen Schrank unter der Mikrowelle sowie den kleinen Eckschrank. Dieser Platz geht bei uns vor allem für Küchenutensilien und Vorräte drauf.

Kleidung verstauen wir in den Fächern unter dem Bett. Dort gibt es insgesamt drei kleine Fächer. In der Mitte unter dem Bett liegen die Camping-Stühle. die über den Kofferraum beladen werden können. Außerdem nutzen wir den kleinen Kofferraum (wirklich fast nicht vorhanden), um dort die  Kraxe hängenderweise zu verstauen.

Der Rest unserer Sachen findet Platz im oberen Bett oder in kleinen Fächern über der Fahrerkabine. Durch den geringen Platz im Fahrzeug räumen wir immer wieder zwischen Tag- und Nachtmodus Dinge durch den Camper.

Kleine Tüten/ Beutel sind wichtig, um eine generelle Ordnung im Fahrzeug zu erhalten und nichts zu verlieren.

Entertainment

Nicht vorhanden!

Also gut, es gibt das normale Autoradio, dass wir wieder mit einem AUX-Kabel nutzen, um während der Fahrt unsere Spotify-Playlists zu hören. Das funktioniert jedoch nur bei laufendem Motor (oder zumindest eingeschalteter Zündung) und wird daher von uns beim Campen nicht verwendet.

Unser Fazit

Aus unserer Sicht hat der Camper eine tolle Größe. Leider ist das Stauraum-Konzept nicht durchdacht (es fehlen Netze oder weitere Fächer), um Ordnung halten zu können. Das zweite Bett bräuchten wir in unserem Falle nicht.

Die Sitzplatzsituation ist für uns deutlich angenehmer als eine Befestigung des Kindersitzes hinten im Wagen.

Beim nächsten Mal würden wir wieder zu dieser Größe eines Campers greifen, jedoch einen Self-Contained Camper wählen, um auch diese Option zu haben. In Neuseeland machen in dieser Größe vor allem die Modelle von Jucy ein gutes Bild, da dort auch der Dach-Aufbau anders gelöst ist und mehr Platz verspricht, sodass hier wirklich auch eine zweite Bettoption entsteht.

Ein großes/ besser ausgestattetes Wohnmobil ist aus unserer Sicht sinnvoll, wenn Neuseeland in der Nebensaison besucht wird (unserer hat keine Standheizung und wir hatten im Sommer Nächte mit nur 3°C), die Nächte mit dem eigenen Kind erfahrungsgemäß häufiger Unruhig sind (dann kann in großen Wohnmobilen auch mal mit Baby auf dem Arm auf und ab gegangen werden) oder wenn schlicht weg mit mehr Personen gereist wird.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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