Ach, welch kitschige Romantik doch mit der Provence verbunden ist. Wer jetzt voller Erwartung ist Gegenteiliges an dieser Stelle zu lesen, wird schwer enttäuscht werden: die Provence ist mit ihren Lavendelfeldern und den kleinen, hübschen Dörfern mit den vielen lokalen Märkten einfach kitschig und romantisch.

In eine leicht hügelige Landschaft gebettet, beheimatet die Provence die wohl mit Abstand größte Dichte an Lavendelfeldern und ist dafür weltbekannt. In den Monaten der Blüte summt es überall und duftet überall nach Lavendel. Auch für die Augen ist es ein schöner Anblick die blühenden Felder, die sich über die Hügel ziehen, anzusehen. Allein das ist Grund genug diese Gegend auf einen Reiseplan zu setzen, doch auch abseits der Lavendelfelder hat die Provence überzeugt.

Die Umgebung: Dörfer und Märkte der Provence

Apt & Saignon

Apt bietet sich bestens als Ausgangspunkt für viele der Highlights in der Provence an. Selbst ist die kleine Stadt fast ein wenig verschlafen, bietet jedoch eine kleine Altstadt sowie zahlreiche Möglichkeiten essen zu gehen und einzukaufen. Ein großer Intermarché ist beispielsweise nur 5 Minuten vom Campingplatz Le Luberon entfernt.

Außerdem gibt es natürlich auch in Apt zweimal in der Woche einen Markt um lokale Produkte direkt zu kaufen.

Eins der Portale von Apt

Aus Apt nur den Berg herauf (und damit zur anderen Seite des Campingplatzes Le Luberon, ebenfalls nur 5 Minuten mit dem Auto entfernt) liegt ein kleines Bergdorf: Saignon. Neben dem kleinen, ebenfalls sehr verschlafenen Ort, gibt es dort eine alte Ruine einer Art Festung die besichtigt werden kann und einen wunderschönen Blick über die Region bietet.

Fast wie in einem Märchen

Blick von der Ruine auf einige der umliegenden Lavendelfelder

Eva und Paul genießen die Aussicht

Hier ist die Zeit stehen geblieben

Sault

Noch eine kleine hübsche Stadt in der Provence. Uns wurde Sault vor allem wegen der hohen Dichte an Lavendelfeldern rund um die Stadt empfohlen. Doch Sault zeigte sich auch kulinarisch im Le Petit Jardin von der besten Seite und wartete obendrein noch mit einem Radsport-Event auf, das den Ort sichtbar aufweckte.

Wer nach dem köstlichen Essen im Le Petit Jardin noch etwas Süßes braucht, begibt sich direkt zur Nougat Confiserie André Boyer. Dort wird seit 1887 Nougat hergestellt, hell und dunkel, mit Zutaten aus der Region, unter anderem Lavendelhonig. Lecker.

Einmal Nougat, bitte.

Und wieder: überall hübsche, kleine Gassen

Markt in Lourmarin

Wir fuhren nach Lourmarin am Markttag und wir hatten vorher nicht viel mehr über den Ort gelesen, außer, dass der Markt dort lokal beliebt ist und der Ort sehr schön.

Beides ist wahr.

Doch: was es heißt in der Provence einen beliebten Markt zu besuchen dämmerte uns erst, als wir schon die ersten parkenden Autos vor dem Ortseingang von Lourmarin passierten. Die Parkplatzsuche ähnelte anschließend einer Schlacht, auf unebenen Wiesen, die zu temporären Parkplätzen gemacht wurden. Nachdem diese Schlacht geschlagen war, und ich nach nur 20 Minuten einen erstaunlich guten Platz ergattert hatte, konnte es über den Markt gehen.

Der Markt bot allerhand lokale Produkte (natürlich auch alles was aus Lavendel herstellbar ist) und bot vor allem Obst und Gemüse aus der Gegend zum Verkauf an.

Der Markt in Lourmarin

Nachdem wir über den Markt geschlendert waren und den örtlichen Spielplatz hinter uns gelassen haben, gingen wir durch die Gassen der Altstadt und suchten etwas zu essen. Schließlich hatte ich mit dem Gedanken abgeschlossen zusammen mit der Masse wieder aus der Parkplatz-Misere zu entkommen: wir würden einfach abwarten bis der Markt nach dem Mittag vorbei war und später verschwinden. Der Plan ging gut auf: wir aßen in Ruhe auf einer begrünten Terrasse, bevor wir dann – nach dem Strom – auch in Ruhe den Parkplatz und die Stadt verlassen konnten, doch nicht bevor wir noch einen Blick auf das Château von Lourmarin geworfen hatten.

An jeder Ecke gibt es Kleinigkeiten zu entdecken

Lourmarin ist ein weiteres, hübsches, kleines Dorf

Unsere Highlights: Provence at it‘s best

Lavendel, Lavendel, Lavendel

Was soll man dazu noch sagen? Überall sind in dieser Gegend Felder mit Lavendel zu finden. Stehen diese Felder in der Blüte, zogen sie uns magisch an durch ihre Farbe und den Duft. Wir hielten mehr als einmal mit dem Auto an, um nochmal durch eines der Felder zu gehen oder Fotos zu machen. Einfach schön.

Die schönsten Felder haben wir persönlich zwischen Saigon und Lourmarin (an der D943), sowie rund um Sault ausfindig gemacht. Das kann jedoch je nach Blütenstand sehr unterschiedlich sein.

Nahaufnahme

Da haben sich Mohnblumen mit eingemischt

Teilweise unendlich wirkende Felder von Lavendel

Colorado Provençal

Das Colorado Provençal ist ein Gebiet, in dem es zu früheren Zeiten einen Ocker-Steinbruch gab. Ockerfelsen gibt es in Provence an verschiedenen Orten, das Colorado Provençal bot unserer Meinung nach jedoch einen eindrucksvollen Weg die Ockerfelsen zu sehen und gleichzeitig eine schöne Wanderung als Familie begehen zu können.

Colorado Provencial

Wechselspiel der Farben

Entlang der Wanderwege ergeben sich wunderbare Ausblicke auf die Ockerfelsen – man beachte den Baum in der Mitte für den korrekten Maßstab

Roussillon

Auch in der Nähe von Roussillon existieren bekannte Ockerfelsen. Doch nicht auf Grund dieser Tatsache, sondern weil das kleine Dorf zum „schönsten Dorf Frankreichs“ gekürt wurde, führte unser Weg dorthin.

Doch noch bevor wir überhaupt dort ankamen, sorgte Paul dafür, dass wir für etwas anderes das Auto stoppten. Er entdeckte auf einer Wiese am Straßenrand ein erhöhtes Aufkommen an alten Traktoren und anderen Landwirtschaftsmaschinen (zum Beispiel ein alter Lavendelernter) und lotste uns direkt auf den dafür angelegten Parkplatz. Wir schauten also französischen Traktoristen beim Flügen mit Oldtimer-Traktoren zu und überzeugten uns von der Schönheit alter, handgefertigter Landwirtschaftsmaschinen.

Lavendel-Erntemaschine

Traktor-Fest: Flügen mit den Oldtimern

Danach ging es dann aber noch zum eigentlichen Ziel, Roussillon. Die Parkplatzsuche war einfach und direkt vor den Toren der Stadt, sodass durch einen kurzen Fußweg aufwärts, die ersten hübschen Gassen erreicht wurden. Da es sich um ein Dorf handelt, waren die alten Gassen schnell erkundet und auch die Aussicht von hoch oben über die Ockerfelsen und die hügelige Umgebung genossen. Es mag vermessen klingen, bei jeder unserer Beschreibungen von „hübschen Gassen“ zu lesen, doch es ist reine Tatsache, dass in Südfrankreich so viele hübsche Dörfer und Städte existieren. Und wir werden nicht müde immer wieder über die Schönheit der Altstädte zu staunen. Und dann auch darüber zu schreiben.

Ausblick von und über Roussilon

Roussilon

Pont Du Gard

Die Pont Du Gard hat wohl jeder schon einmal auf einem Foto gesehen. Eine riesige dreietagige Brücke, die einen schön geschwungenen und in die bergige Landschaft eingebetteten Fluss überspannt.

Die Pont Du Gard stellte einen wichtigen Teil der 50 Kilometer langen Wasserversorgung der Stadt Nîmes dar und stammt aus der Römerzeit. Heute ist die ein UNESCO Welterbe und kann besichtigt werden.

Bevor wir zur Pont Du Gard aufbrachen, hatte ich die starke Befürchtung, dass es sich um eine der Sehenswürdigkeiten handeln würde, die stark reglementiert sind und Menschenmassen vorbeigetrieben werden bei gleichzeitiger finanzieller Maximierung der Einkünfte. Doch das ist nicht der Fall.

Natürlich gibt es einen Eintrittspreis, der jedoch im angemessenen Niveau zuhause ist. Dieser beinhaltet auch das Parken vor Ort. Danach kann man sich in einer parkähnlichen großen Fläche frei bewegen und die Brücke und deren Umgebung erkunden.

Wir nutzten diese Freiheit für ein Picknick mit Blick auf das Aquädukt und anschließend wanderten wir zu einigen Aussichtspunkten, bevor wir die Brücke selbst überquerten und auf der anderen Seite am Fluss nochmals verweilten.

Die Pont Du Gard gehört damit zu den wohl entspanntesten Sehenswürdigkeiten, die wir bisher besucht haben.

Die Pont Du Gard in voller Größe

Blick nach oben

Pont Du Gard

Unsere Unterkunft: Camping Le Luberon

Der wirklich kleine, naturbelassene Platz liegt ganz in der Nähe der Stadt Apt. Das war gleichermaßen auch ein Auswahlkriterium für uns, da wir so direkt im Zentrum unserer Provence-Ziele waren.

Neben komfortabel großen Stellflächen, bietet der Platz einen Pool, ein Restaurant, den obligatorischen Baguette- und Croissant-Service am Morgen sowie einen Wald gespickt mit Hängematten. Auch ein kleiner Spielplatz ist vorhanden, sowie Spielzeug im Restaurantbereich. Das Restaurant bietet auch Pizza und Poulet Roti (auf gut Deutsch: Brathähnchen) zum Mitnehmen an.

Vom Platz aus ist die Stadt Apt in unter fünf Minuten mit dem Auto erreichbar. Saignon ebenso. Mit dem Fahrrad gestaltet sich das Ganze etwas schwieriger, da in beide Richtungen starke Anstiege auf dem Hin- oder Rückweg bewältigt werden müssen.

Provence mit Kindern: Unser Fazit

Die Provence in der Blütezeit des Lavendel – also Ende Juni bis Ende Juli – zu bereisen, ist sehr empfehlenswert. Auch unsere Jungs fanden es fantastisch durch die Felder zu streifen.

Auch die kleinen Wanderungen, zum Beispiel im Colorado Provençal, sind bestens für kleine Wanderer oder Kraxen-Babies geeignet.

Zum längeren Verweilen fehlte uns am Ende dennoch ein See oder Meer zum entspannen und so geht es für uns nun in die Alpenregion zum Lac D’Annecy.

Teile diesen Artikel!

Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

Hinterlasse eine Antwort