Bei langen Reisen setzt sie manchmal ein, die Reisemüdigkeit. Es bedeutet nicht unbedingt im Sinne der Wortbestandteile, dass eine Müdigkeit auf Dich hereinbricht, sondern eher, dass Du die Schönheit und Einzigartigkeit der Dinge, die Du siehst gar nicht mehr vollkommen aufnehmen kannst.

Du hast einfach schon zu viel gesehen in zu kurzer Zeit, denn Zeit gibt es nie genug. Buffer Overflow. Überflutung. Dein Gehirn ist nicht mehr in der Lage die ganzen Reize zu verarbeiten und korrekt einzuordnen. Jedenfalls fühlt es sich so an.

Mit etwas Abstand, beim Rückbesinnen auf die Zeit, stellst Du dann schnell fest, dass völlig beeindruckende Landschaften oder Städte hemmungslos von Dir übergangen und maßlos unterschätzt wurden.

Uns ging es nach acht Wochen Australien so, als wir an den Blue Mountains standen. Wir fanden sie schön, doch keinesfalls gleich umwerfend und beeindruckend. Wir verstanden den großen Hype nicht wirklich. Bis zu der Erkenntnis, dass die Blue Mountains ziemlich beeindruckend sind, dauerte es länger.

Vor einem solche Effekt haben wir nicht unbedingt panische Angst, wollen aber ebenso wenig, dass er wiederholt auftritt. In Australien – im Gegensatz zu dieser Reise – waren wir mit einem Wohnmobil unterwegs. Das verführte uns dazu deutlich schneller zu reisen und die Orte zu wechseln, als dieses Mal. Durch das langsame Reisen stellte sich auch bis jetzt – nach mehr als acht Wochen – keine Reisemüdigkeit ein.

Wir waren also weiterhin mental bereit eine weitere Region zu erkunden und verließen pünktlich mit Beginn der französischen Sommerferien Annecy in Richtung Norden. Unser Ziel war ein weiterer Halt in Frankreich, das Elsass. In dieser Region merkte man wenig von den Auswirkungen der Sommerferien der Franzosen, vor denen in den südlichen Teilen des Landes immer wieder gewarnt wurde. Aber klar, von irgendwo müssen ja die ganzen Menschen anreisen, die im Süden dann Urlaub machen. Und so fanden wir eine entspannte, nicht überlaufene Gegend vor, in der weiterhin ohne Reservierungen Stellplätze zu finden waren.

Unsere Highlights im Elsass

Weinstraße und -Radweg

Auch hier zieht es sich wie ein roter Faden in Frankreich durch: das Land ist ein gutes Ziel für Menschen, die sich gern mit dem Fahrrad fortbewegen.

Im Elsass gibt es unter anderem den Radweg entlang der Weinstraße, der durch die schöne Szenerie der Weinanbaugebiete und die historischen Perlen Colmar und Eguisheim als auch durch Turckheim, unsere Basis im Elsass, führt.

Entlang der Strecke finden sich natürlich auch verschiedene Weinbauern, die Verkostungen und Weine zum Verkauf anbieten. Die Rebsorten der Region weisen eine recht große Spanne auf und umfassen Sylvaner, Pinot Blanc, Pinot Noir, Riesling, Pinot Gris sowie Gewürztraminer. In der Region existieren außerdem 51 Einzellagen mit der Auszeichnung “Grand Cru”, die etwa 4% der Weinherstellung des Elsass ausmachen, und eine extrem gute Lage auf sehr gutem Boden aufweisen. Diese Grand Cru Weine sind deutlich preisintensiver, jedoch auch jeden Cent wert. Jedenfalls hat das unsere Strichprobe ergeben.

Radwege entlang der vielen Weinberge

Wein – noch weit vor der Lese im Spätsommer

Wein so weit das Auge reicht

Colmar & Eguisheim

Colmar und Eguisheim haben einige Dinge gemeinsam. Sie sind beides Bestandteile der Weinstraße im Elsass und beides attraktive kleine Orte mit einem hohen Anteil an Fachwerkhäusern und Historie. Eguisheim hält sogar die renommierte Auszeichnung eines der schönsten Dörfer Frankreichs zu sein. Und das mit Fug und Recht.

Doch zunächst zu Colmar.

Colmar ist als Stadt viel größer als das kleine Eguisheim. Dennoch: der sehenswerte Altstadtkern ist gut per Fuß zu erkunden. Als Ausgangspunkt eignet sich das Rapp-Parkhaus. Von dort aus ist die Innenstadt in weniger als einer Minute zu erreichen und Platz gibt es genug zu obendrein moderaten Preisen.

Wer mit zugliebenden Kindern unterwegs ist (soll es ja geben, sagte man mir), kann mit dem Petite Train Touristique (hübsch-französisch für Bimmelbahn) einen ersten Überblick über die Stadt gewinnen. Die Bahn startet in der Rue Kleber und schlängelt sich durch die engen Straßen. Dabei tangiert sie die Rue De Têtes mit dem Haus der Köpfe, das Gerberviertel, die Markthalle, klein Venedig und andere historische Stätten der Stadt.

Nachdem wir – mit einem zugliebenden Kind ausgestattet – diese Tour vollendet hatten, gingen wir in die Markthalle, um uns zu stärken. Entsprechend der regionalen Küche aßen wir im ersten Anlauf Flammkuchen. Weiter ging es nochmal zu Fuß durch La Petite Venise (noch ein Venedig außerhalb von Italien, möglicherweise schon das 3. das wir in Frankreich gesehen haben), bevor wir durch die restliche Altstadt bummelten und einige Dinge besorgten. Durch die Stadt führen Dich goldene Pfeile am Boden, die einen Rundweg entlang der Sehenswürdigkeiten ausschildern.

Immer den Pfeilen nach – für die Kinder ein schönes Suchspiel, für die Erwachsenen eine wirkliche Hilfe

Le Petite Venice und im Vordergrund (rechts) die Markthalle

Nochmal das kleine Venedig

Die Innenstadt von Colmar

Blick durch Buntglas in die Altstadt von Colmar

Nach Eguisheim fuhren wir mit dem Fahrrad entlang des Weinradweges.

Das kleine Dorf ist wunderschön und ebenfalls gut per Pedes zu erkunden. Entlang der früheren Stadtmauer, die beinahe ein perfektes Rund abgab, stehen noch heute die Häuser an einer Rund-Straße, die den Ring der Altstadt bildet. Entlang dieser Straße (Rue du Rempart) befinden sich unzählige, perfekt erhaltene, alte Fachwerkgebäude. In diesen befinden sich heute auch einige Restaurants und Cafés. Der Rest in Eguisheim spielt sich rund um den Marktplatz und die zentral gelegene Kirche ab beziehungsweise im Umfeld des kleinen Ortes: in den Weinbergen.

Auch hier kommen Eltern von zugliebenden Kindern in den Genuss einer Bimmelbahn. Und auch hier ist die Fahrt immerhin mehrsprachig kommentiert und führt entlang der wesentlichen Meilensteine der Umgebung. Paul – bekennend zugliebendes Kind – ist mittlerweile blitzschnell und genau beim Entdecken dieser Bahnen geworden, sodass es fast zum Standardprozess beim Erkunden einer neuen Stadt für uns gehört.

Mit der Bimmelbahn durch die angrenzenden Weinberge von Eguisheim

Eguisheims Rundweg Rue Rempart

Fachwerkhäuser in Eguisheim

Straßburg

Straßburg ist wieder eine der Städte in Frankreich, die eine Umweltzone etabliert haben. Die Zufahrt ohne die Crit‘Air Vignette ist untersagt. Diese ist jedoch nur über den Postweg für das eigene Fahrzeug bestellbar und wird ausschließlich an die Adresse im Fahrzeugbrief versendet. Keine Chance also die Plakette noch vor Ort zu besorgen, auch wenn das eigene Auto die Normen einhält. Die deutsche Umweltplakette zählt hier übrigens nicht und schützt auch nicht vor den hohen Strafen.

Ein Grund mehr die Stadt mit dem Zug anzufahren. Von unserer Basis in Turckheim aus bedeutete dies einen Zug nach Colmar zu nehmen und anschließend weiteren Zug nach Straßburg. Das ganze dauerte etwa eine Stunde und war daher vom Aufwand vertretbar.

Vom Hauptbahnhof aus sind auch die wesentlichen Sehenswürdigkeiten und Stadtteile von Straßburg gut zu erreichen. Die Altstadt als auch der Stadtteil Petite France sind 10 – 15 Minuten von dort zu Fuß entfernt.

Was hat uns am meisten beeindruckt?

Der Blick aus der Rue Mercière auf die Kathedrale. Es scheint als läuft die gesamte Straße auf die Eingangstür der riesigen Kathedrale zu. Dies untermauert die immensen Dimensionen des kirchlichen Baus noch einmal stark.

Blick auf die mächtige Pforte der Kathedrale

Die Spielplätze auf dem Square des Moulins. Einzelanfertigungen von sehr schönen Spielgeräten und bei höheren Temperaturen auch ein paar Wasserelemente. Perfekt zum Toben für die Kinder als Ausgleich zur Stadtbesichtigung.

Die Fotomotive von der Barrage Vauban, von wo aus ein schöner Blick über die Stadt mit ihren Wasserwegen und Brücken, den historischen Altbauten und ihrer Kathedrale möglich ist.

Blick über die Stadt

Und zu guter Letzt Le Petite France, mit all den hübschen Fachwerkhäusern und den Kanälen, durch die die ziemlich ausgebuchten Touristenboote geschleust werden. Geschleust im wahrsten Sinne des Wortes, da hier Schleusen zur Überbrückung der Höhenunterschiede notwendig sind.

Nebenbei bietet Straßburg auch einiges für Shopping-Enthusiasten. Wir waren an einem Sonntag dort als die meisten Läden geschlossen waren, was uns nicht störte. Dennoch war erkennbar, dass hier so ziemlich alles zu finden ist, was Rang und Namen hat.

Le Parc Du Petit Prince

Der kleine Prinz ist längst nicht mehr nur ein Buch von Antoine de Saint-Exupéry. Es ist mittlerweile ein Film (ach was sage ich, mehrere Filme) und eben auch eine Art Themenpark im Elsass. Und auch dabei spielen die weltpolitischen und gesellschaftskritischen Aspekte des modernen Kunstmärchens eine Rolle.

Der Park hält in allen Details Bezug zum Buch und ist insbesondere für kleinere Kinder sehr schön. Er bietet zahlreiche tierische Interaktion, Attraktionen und seichte Fahrgeschäfte als auch Ausstellungen und Animationen. Darüber hinaus natürlich noch zahlreiche Spielplätze, Restaurants und Wasserspielplätze. Paul und Jonah – und auch wir Eltern – hatten einen spannenden, entspannten und lehrreichen Tage in diesem Park. Trotz französischer Sommerferien – war der Park am Wochenanfang sehr leer, sodass wir nie anstehen mussten und den Park bis zum Schließen am Abend wunderbar auskundschaften konnten.

Der kleine Prinz auf seinem Asteroiden B612

Das Flugzeug

Jonah begrüßt die vielen Schafe

Der Park von oben – leider flog an unserem Besuchstag der Ballon nicht, aber die fliegende Bar nahm uns mit in die Höhe

Kettenkarussell

Unser Campingplatz: Camping Le Médiéval Turckheim

Der recht kleine Platz Le Médiéval liegt direkt vor den Toren von Turckheim. Nur ein kleiner Bach und eine Brücke trennen den Platz von der Altstadt mit den Restaurants, Bäckereien, Einkaufsmöglichkeiten und den vielen Fachwerkhäusern. Direkt umgeben ist die Stadt und der Platz selbst von den vielen Weinbergen der Region und ist Bestandteil der Weinstraße im Elsass, die mit Fahrrad oder Auto erkundet werden kann.

Der Platz bietet schöne und große Stellflächen, die einen direkten Wasser- und Stromanschluss bieten. Auch hier gibt es den scheinbar in Frankreich zum Standard gehörenden Baguette und Croissant Service am Morgen.

Die Sanitären Anlagen sind sehr neu und gut ausgestattet, auch für die Kinder.

Der Platz bietet neben den bereits genannten Dingen noch ein wirkliches Highlight, vor allem für Tierliebhaber und Kinder: wie in vielen Orten im Elsass gibt es auch in Turckheim viele Störche. Vor allem rund um den Platz und auf dem Platz selbst sind an vielen Stellen Storchennester zu sehen und die großen Vögel kommen jeden Tag auch zu Besuch auf den Platz. Und sie haben Hunger. Da sie zu den Fleischfressern oder genauer zu den Allesfressern zählen, haben sie auch eine gewisse Vorstellung was es zu fressen geben soll. Mit schnödem Brot geben sie sich nicht ab.

Hallo Herr Storch

Wer schaut denn da?

Außerdem gibt es vom Platz aus viele schöne Laufstrecken in leicht bergigem Terrain als auch die direkte Anbindung an den Radweg der Weinstraße. Dadurch sind Orte wie Eguisheim und Colmar auch leicht mit dem Rad zu erreichen.

Unser Fazit: Elsass mit Kindern

Im Elsass fühlte sich Frankreich – auch auf Grund der gemeinsamen Geschichte – schon recht Deutsch an. Das zieht sich auch durch die regionale Küche, die abgesehen vom Flammkuchen, sehr von Sauerkraut und Braten geprägt ist. Der männlichen Seite der Familie sagte dieser Umstand zu, der weiblichen Seite eher nicht.

Doch abgesehen vom Essen, hat sich der Stopp im Elsass wirklich gelohnt. Wir haben gute Weine probiert, sehr schöne Ortschaften erkundet und den Park des kleinen Prinzen als klares Familien-Highlight erlebt.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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