Die Frage nach den notwendigen Reiseimpfungen, beziehungsweise auch den Impfungen, die in einer Grundimmunisierung enthalten und damit auch in der Heimat vorhanden sein sollten, gehört für uns zu den normalen Reisevorbereitungen. Auch jetzt vor unserer Reise, die uns in vier Monaten bis ans Ende der Welt führt.

Dabei gilt es für uns immer abzuwägen, ob eine Impfung wirklich sinnvoll und notwendig ist. Wir sind keine Impfverweigerer und ebenso wenig der Meinung, dass jede Maßgabe der STIKO eingehalten werden muss. Wir beschäftigen uns unabhängig mit dem Thema und treffen dann eine Entscheidung. Dabei versuchen wir das Risiko zu verstehen und dann eine Abschätzung zu treffen. Impfstoffe sind eine bahnbrechende Errungenschaft der Menschheit und retten unzählige Menschenleben. Dieses Instrument schützt uns Zuhause, als auch auf Reisen.

Welche Impfungen sind neben der Grundimmunisierung für Reisen relevant?

Cholera
Eine Darmerkrankung, die vor allem durch den schnell einsetzenden Flüssigkeitsverlust gefährlich für den Menschen ist. Die Krankheit kommt in Gebieten mit unsauberem Trinkwasser vor und kann durch Verzicht auf das lokale Trinkwasser und/ oder den Grundsatz “cook it, peel it, or leave it” begegnet werden. Wir nehmen für unsere Reisen keine Cholera-Impfung vor.
FSME
FSME ist eine Erkrankung, die durch einen Zeckenbiss übertragen wird. Die Folgen sind Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung (Meningitis, Enzephalitis) die schwerweigend verlaufen können. Nur jede 50. bis 100. Zecke trägt diese Krankheit in sich und auch bei einem Biss muss die Krankheit nicht auf den betroffenen Menschen übergehen. FSME ist regional begrenzt. In vielen Gebieten gibt es keine Verbreitung dieser Krankheit. Betroffen sind jedoch Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern) sowie Teile von Österreich, Schweiz, Skandinavien und Osteuropa. Unser Sohn ist für eine solche Impfung zu jung. So hilft Aufmerksamkeit, lange Sachen und eine Kontrolle am Abend nach der Zeit in der Natur auf Zecken, die sich am Körper verstecken.
Gelbfieber
Gelbfieber wird wie Dengue oder Malaria von Mücken übertragen. Diese müssen zuvor einen infizierten Affen gestochen haben. Hohes Fieber und Gelbsucht gehören zu dem Krankheitsbild. Komplikationen im Krankheitsverlauf können zu Organversagen führen, in den meisten Fällen heilt die Krankheit jedoch einfach aus. Bei Reisen in Gelbfieber-Risikogebiete ist die Impfung aus unserer Sicht sinnvoll. Wir (unser Sohn noch nicht) sind auch durch frühere Reisen dagegen geimpft.
Hepatitis A
Eine der wichtigsten Reiseimpfungen, jedoch für sehr kleine Kinder bzw. Babys nicht verfügbar. Es handelt sich dabei um eine Lebererkrankung, die mit Grippegefühl, Übelkeit und Gelbfärbung der Haut einhergeht. Der weitere Verlauf von Hepatitis A ist unterschiedlich, oft jedoch leicht und besonders bei Kindern selten gefährlich. Bei den meisten kleinen Kindern verläuft die Krankheit wie ein „Schnupfen der Leber“ und ist recht schnell überwunden. Wir sind dagegen geimpft und halten diese Impfung für Viel- und Fernreisende auch für sinnvoll. Unser Sohn wird diese Impfung früher oder später auch bekommen.
Japanische Enzephalitis
Eine Krankheit, die sehr regional begrenzt in Südost-Asien vorkommt. Das Krankheitsbild ist geprägt von schweren Hirn- und Hirnhautentzündung mit hoher Sterblichkeit oder permanenten Folgen. Auch diese Krankheit wird durch Mücken übertragen, jedoch nur von Mücken, die in ländlichen Gebieten mit Nähe zu Farmen (insbesondere auf denen Schweine leben und die in der Nähe von Reisfeldern gelegen sind) aktiv sind. Somit sind Reisende, die beispielsweise nur in Städten oder touristischen Gebieten unterwegs sind selten betroffen. Für unsere Reisen bisher nicht relevant.
Meningokokken
Auch hierbei handelt es sich um eine Hirnhautentzündung, die durch Bakterien ausgelöst wird. Es gibt unterschiedliche Bakterien-Stämme. Für die meisten gibt es eine Impfung. Wir haben diese jedoch bisher nicht, da auch dies abhängig von den Reisegebieten ist.
Tollwut
Tollwut kann durch den Biss, aber auch durch Kratzen und in einigen Fällen durch Speichel von infizierten Tieren übertragen werden. Gerade Kinder, die sich auf “Augenhöhe” mit Tieren befinden, sind betroffen. Bricht Tollwut einmal aus, gibt es keine Heilung. Diese Fälle verlaufen immer tödlich. Gerade in Asien häufen sich die Fälle wieder, weshalb wir uns, als auch unseren Sohn, dagegen geimpft haben. Die Impfung wird sehr gut vertragen und wird von den Krankenkassen als Reiseimpfung in der Regel übernommen.
Typhus
Typhus wird durch unsauberes Trinkwasser oder Nahrung aufgenommen. Eine Impfung kann nur 60%igen Schutz bieten. Empfohlen wird die Impfung bei langen Aufenthalten in ländlichen Gebieten, die betroffen sind. Wir sind geimpft, unser Sohn bisher nicht, da die Gebiete, in die wir mit ihm Reisen nicht betroffen sind oder nur bei wirklichen Langzeitaufenthalten.

Können Babys ebenfalls gegen diese Krankheiten geimpft werden?

Das geht nur zum Teil. Einige Impfungen sind für so kleine Menschen nicht zugelassen.

Für einige der genannten Krankheiten gibt es verschiedene Impfstoffe und auch die Wahl einen Kombinationsimpfstoff (bei der Impfstoffe gegen verschiedene Krankheiten verabreicht werden, beispielsweise Hepatitis A und B) oder einen Mono-Impfstoff zu wählen. Diese werden in der Regel besser vertragen und sind dadurch auch schon früher geeignet. Hier muss abgewogen werden, ob eine Verabreichung von mehr Impfungen in Summe sinnvoll erscheint, da bei jeder einzelnen Impfung Nebenwirkungen auftreten können.

Eine gute Übersicht an in Deutschland zugelassenen Impfstoffen und vor allem die Angabe ab welchem Alter diese Impfstoffe auch für Kinder angewendet werden können, führt das Paul-Ehrlich-Institut auf seinen Seiten.

Eine kurze Übersicht der Informationen zu den frühsten Zeitpunkten einer Impfung von Babys haben wir nachfolgend auf Grundlage der Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts zusammengestellt (Stand: 08/2015).

  • Cholera (Monoimpfstoff ab einem Lebensalter von 2 Jahren)
  • FSME (Monoimpfstoff ab einem Lebensalter von 2 Jahren)
  • Gelbfieber (Monoimpfstoff ab einem Lebensalter von 7 Monaten)
  • Hepatitis A/ B (Monoimpfstoff oder Hepatitis A und B als Kombinationsimpfstoff ab einem Lebensalter von 2 Jahren, Hepatitis B als Monoimpfstoff sogar bereits ab der Geburt)
  • Japanische Enzephalitis (Monoimpfstoff ab einem Lebensalter von 2 Monaten)
  • Meningokokken (Monoimpfstoff ab einem Lebensalter von 2 Monaten)
  • Tollwut (Monoimpfstoff ab der Geburt)
  • Typhus (Monoimpfstoff ab einem Lebensalter von 2 Jahren)

Selbst wenn es einen geeigneten Impfstoff gibt, gilt es abzuwägen, ob eine Impfung für das jeweilige Reiseziel relevant ist und ob das bestehende Risiko eine Impfung notwendig macht.

Für eine individuelle Impfentscheidung bei Kindern, gibt es ein lesenswertes Buch von Martin Hirte: Impfen Pro und Contra. Das Buch diktiert keine Meinung, sondern trägt die Fakten zum Impfen generell als auch zu den Krankheiten und möglichen Impfstoffen zusammen. Nebenwirkungen und Belastungen des Körpers durch Impfungen sind darin jeweils beschrieben und geben ein fundiertes Wissen, um eine eigene Entscheidung zu treffen.

Wie sieht es mit Malaria aus?

Gegen Malaria gibt es keine Impfungen. Hier gibt es nur zwei Varianten: Malaria-Prophylaxe vor und während der Reise oder eine Notfallbehandlung, wenn Malaria tatsächlich ausgebrochen ist.

Die Prohylaxe kann zum Einen durch konsequenten Mückenschutz (Deet-Mückenspray, angepasste Kleidung, die Arme und Beine bedeckt mit Kleidung, die vorher mit Deet imprägniert wurde und ein Reise-Mückennetz) erreicht werden, zum Anderen (und in Kombination) mit medikamentöser Prophylaxe. Wir halten von diesen Medikamenten nichts und haben bisher immer darauf verzichtet – auf den ersten Teil, den natürlichen Schutz, verzichten wir auf Reisen in Malariagebieten natürlich nicht.

Jungle

In tropischen Gebieten, weit ab vom Schuss: Malaria-Gefahr

Was wir auf diesen Reisen immer dabei haben, sind die Tabletten für den Notfall. Diese können bereits vorab gekauft und mitgeführt werden. Zum Teil – abhängig wo ihr versichert seid – werden auch diese Kosten von der Krankenkassen übernommen.

Beim Eintreten eines Notfalls sollte jedoch trotzdem immer ein Arzt aufgesucht werden, da diese Medikamente – ähnlich wie die zur Prophylaxe – sehr starke Nebenwirkungen haben können und der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein kann.

Wo bekomme ich Rat und kostet diese Beratung Geld?

Plakat Impfungen auf Reisen

Plakat zu den Impfungen abhängig vom Reiseziel

In Deutschland gibt es spezialisierte Gelbfieber-Impfstellen und Tropenmedizinische Institutionen. Eine Suche für eben diese gibt es auf den Webseiten des Centrum für Reisemedizin. In diesen Institutionen kann eine Beratung vereinbart und wahrgenommen werden. Eine Beratung kostet dabei etwa 20 Euro. Darüber hinaus gibt es eine telefonische Sprechstunde. Diese kann zum Beispiel auf Tropeninstitut.de online gebucht werden. Der Kostenpunkt beträgt hierbei 25 Euro.

Darüber hinaus verschaffen wir uns zuerst einen Überblick in den Länderinformationen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes oder beim Centrum für Reisemedizin. Dort kann jeweils eingesehen werden, ob es Pflichtimpfungen für das entsprechende Land gibt (zum Teil ist dies eine Grundvoraussetzung für die Einreise, u.a. bei Einreise aus Gelbfiebergebieten) und welche Impfungen generell empfohlen werden. Dabei wird die Empfehlung häufig in Abhängigkeit von der Aufenthaltsdauer im Land gegeben.

Muss ich die Impfungen selbst bezahlen? Was kosten die Impfungen?

Die Kosten für Reiseimpfungen können schnell sehr hoch ausfallen. Nimmt man beispielsweise eine Familie mit einem Kind und Impfungen gegen gängige Krankheiten wir Hepatitis A, Gelbfieber, Tollwut und Typhus sind schnell 1.500 Euro erreicht.

Doch keine Sorge: Die meisten Krankenkassen haben Programme für Reiseimpfungen und übernehmen die gesamten (oder zumindest einen Teil) der Impf- und Beratungskosten.

Du bist Dir nicht sicher, ob auch Deine Krankenkassen diese Kosten übernimmt?

Dafür gibt es eine sehr gute Übersicht, die alle Krankenkassen listet und je Impfstoff aufzeigt, ob dieser getragen wird. Die Liste ist sehr detailliert und muss unbedingt inklusive der Fußnoten betrachtet werden, da teilweise durch die Krankenkassen nur Teile der Kosten übernommen werden. Dies ist dort entsprechend vermerkt.

Die Kosten pro Impfung im Überblick

Die Preise sind ungefähre Angaben und unterliegen auch stetigen Veränderungen. Jedoch geben sie einen Anhaltspunkt über die mit den Impfungen verbundenen Kosten.

Impfen Kosten

Kosten für Impfstoffe

Unser Fazit

Reiseimpfungen – insbesondere, wenn Kinder mit auf ferne Reisen gehen – sind ein komplexes Thema, bei dem es nicht immer ein Richtig und Falsch gibt. Wir treffen die Entscheidungen dazu bei jeder Reise und bei jeder Impfung, die auf Grund des Alters unseres Sohnes möglich wird, erneut. Wir informieren uns, lassen uns beraten und nach ausgiebiger Abschätzung der Vor- und Nachteile auch impfen – oder eben nicht.

Wie handhabt ihr dieses Thema bei Euren Kindern?

 

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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