Bei dem Reisemodell „mit dem Campervan unterwegs sein“ gibt es viele Vorteile. Vielleicht auch einige Nachteile. Definitiv aber für Ersttäter einiges an Fragen. Eine der vielen Fragen, die uns häufiger erreichen ist, wie ein normaler Tagesablauf im Campervan auf einer Langzeitreise aussieht. Wir versuchen also den Alltag auf Reisen im Campervan mit Kleinkind für Euch darzustellen.

06:30 Uhr: Es wird hell draußen. Auch wenn wir uns am Abend zuvor Mühe gegeben haben, die Fenster unseres Camper-Vans bestmöglich abzuschotten, kitzelt die Sonne im Gesicht. Paul merkt das auch und fährt so langsam das System hoch. Bald darauf macht er mit einem unmissverständlichem „Haaaap“ klar: Er will Frühstück!

White Horse Hill Stellplätze für die Camper-Vans

White Horse Hill Stellplätze für die Camper-Vans

07:00 Uhr: Kurze Morgentoilette auf dem Campingplatz. Entweder in einem richtigen Bad (im Falle von Holiday Parks) oder eben auf dem Plumpsklo in Kombination mit dem kleinen Waschbecken im Camper-Van. Danach wird das Frühstück vorbereitet. Draußen vor dem Camper stehen noch Tisch und Stühle vom Vorabend. Auf den Tisch kommt Brot, Avokado, Käse, Obst und Kornflakes sowie Milch und etwas Saft. Paul nimmt in seinem MobiSeat Platz und wir frühstücken.

Paul im Mobiseat beim Essen in Neuseeland

Paul im Mobiseat beim Essen in Neuseeland

08:00 Uhr: Der Tisch wird abgeräumt und wir fangen an mit der täglichen Morgenroutine: Abwaschen, Zähne putzen, Camper-Van aufräumen/ umräumen, sodass wir fahrbereit sind. Dabei entwickelt man schnell einen guten Ablauf und die benötigte Zeit wird zunehmend weniger. Dennoch fühlt es sich bis zuletzt so an, als würde man seinen Camper-Van täglich zwei Mal komplett umräumen und rotieren: für den „Umbau“ zum fahrbereiten Tagesmodus und gleichermaßen der Rückbau zum Nachtmodus.

09:00 Uhr: Abfahrt! Entweder, um einen Tagesausflug zu machen und später am Tag wieder zu dem Platz zurückzukehren, oder um eine Strecke zum nächsten Ziel zurückzulegen. Paul nutzt die Fahrt für ein kleinen Schlaf – Autofahren hat einfach eine sehr beruhigende Wirkung auf ihn. Das ist auch wichtig: Denn ein Urlaub im Camper-Van ist eben ein Auto-Urlaub. Wir planen nicht allzu lange Strecken pro Abschnitt, um die Fahrzeit pro Tag nicht zu hoch zu treiben und Paul auch genügend Abwechselung und Ausgleich zum Autofahren zu bieten. Wir haben daher versucht nicht mehr als 150km pro Tag zu fahren.

ab 10:30 Uhr: Wandern, besichtigen, staunen… Kaum ein Tag vergeht ohne wirkliche Aktivitäten, die den Großteil des Tages einnehmen. Unterwegs gibt es dann auch Mittagessen – entweden in einem Restaurant oder auch mal an einer Raststätte im Camper-Van gekocht. Wir lernen Länder auch gern über ihre Küche kennen – das schlägt sich jedoch auch in den Kosten nieder. Hin- und wieder fahren wir auf unseren Wegen eine Bibliothek, eine Visitor-Center oder ein Café an, um Internet zu nutzen, Informationen einzuholen und unsere Artikel hochzuladen.

Der Hooker-Valley Track ist gut ausgebaut und leicht begehbar

Der Hooker-Valley Track ist gut ausgebaut und leicht begehbar

16:30 Uhr: Der administrative Teil schlägt zu: Wir müssen Lebensmittel einkaufen und machen dies in einem Supermarkt. Danach heißt es die Vorräte im Camper-Van zu verstauen und einen Stellplatz für den Abend zu suchen. Wir haben dafür immer Apps auf unseren Telefonen genutzt. Zumeist haben wir bereits am Tag zuvor einen Platz für den kommenden Tag ausgesucht und müssen diesen jetzt nur noch anfahren.

17:00 Uhr: Ankunft auf dem Platz. Wir schauen uns die Gegend an und spielen mit Paul. Er lernt gerade Laufen, sodass wir die meiste Zeit am Strand oder auf einer Wiese sind und uns über jeden einzelnen seiner Schritte freuen.

Ist es ein Holiday Park, waschen wir unsere Wäsche und hängen sie auf, damit sie am folgenden Tag trocken ist.

Wir räumen wieder Stühle und den Tisch aus dem Camper heraus und überlegen uns etwas für das Abendessen. Die Möglichkeiten in einem Camper-Van sind (irgendwie) begrenzt – das häufigste Essen auf unserer Reise sind daher Nudeln mit Tomatensauce, Hackfleisch-Reis-Pfanne mit Gemüse oder einfach Gemüse-Reis. Hin und wieder – vor allem in Australien – haben wir auch Steaks gekauft. Gerade in Australien gibt es an jeder Ecke freie BBQ-Grills die verwendet werden können. Das macht das Camper-Leben ein gutes Stück einfacher (und leckerererer). Und das Essen abwechselungsreicher.

Nudeln mit Aussicht

Nudeln mit Aussicht

18:00 Uhr: Abendessen. In den lauen Sommerluft sitzen wir vor unserem Camper und genießen das Essen. Danach kann Paul noch einmal toben. Wir räumen nebenher wieder ein wenig auf, bauen den Camper-Van in den Nachtmodus um und waschen ab.

19:00 Uhr: Sofern wir auf einem Holiday Park sind, gehen wir duschen. Bei mehreren Aufenthalten auf Plätzen in der „Wildnis“, fahren wir auch zwischenzeitlich eine „Public Shower“ an. Diese sind meist sehr sauber und kosten nicht viel Geld. In Australien gibt es auch an vielen Stränden komplett kostenfreie Duschen.

19:30 Uhr: Wir verlagern uns in den Camper-Van und bereiten Paul für die Nacht vor. Wir putzen ihm die Zähne, ziehen ihn um und lesen ihm vor. Wir schauen uns mit ihm seine Bücher an, bis er schließlich müde vom Tag und den vielen Erlebnissen schlafen möchte.

20:00 Uhr: Paul schläft. Wir schleichen uns aus dem Camper-Van und lassen die Tür bzw. ein Fenster einen Spalt offen. Wir sitzen direkt vor dem Camper, sodass wir gleich zur Stelle wären, falls er uns braucht. In unserem großen Wohnmobil in Australien gab es im Innenraum genügend Platz, sodass wir uns dort Abends auch einfacher mit im Innenraum aufhalten konnten. Bei dem kleinen Camper-Van ging das auch, jedoch mussten wir dann immer recht leise sein. Außerdem war es in Neuseeland im Sommer einfach zu schön draußen zu sitzen.

20:30 Uhr: Wir stoßen mit einem Glas Weißwein auf einen weiteren wunderschönen Tag an! Weißwein direkt aus der Region. Am liebsten aus Marlborough.

21:00 Uhr: Wir planen die kommenden Tage, lesen ein Buch auf unseren Kindle, schreiben unsere Artikel und bearbeiten Fotos.

23:00 Uhr: Der Himmel ist nun dunkel und der neuseeländische Nachthimmel zeigt die unzähligen Sterne. Hin- und wieder gehe ich los, um den grandiosen Sternenhimmel zu fotografieren.

Zelten am White Horse Hill

Zelten am White Horse Hill

23:30 Uhr: Wir schleichen uns zu Paul ins Bett und schlafen ein – etwas eng zu dritt in einem kleinen Bett (aber dennoch gut!).

Fazit

Camper-Van-Reisen sind mit einem gewissen administrativen Aufwand verbunden: Tanken, Entleeren (Waste Water), Aufräumen, Abwaschen, Einkaufen, Wäsche waschen, Platzsuche. Diese Art zu Reisen hat jedoch auch große Vorteile und ist vor allem bei langen Reisen deutlich günstiger und flexibler als immer Hotels zu buchen. Dennoch muss ein Bewusstsein für den administrativen Teil vorhanden sein, da dies auch einen nicht unwesentlichen Teil der Reisezeit einnimmt.

Wir haben die Freiheit, die uns diese Art des Reisens gegeben hat, sehr genossen und auch lange darüber nachgedacht in der Heimat einen Camper-Van auszubauen. Zur Zeit ist das Thema erstmal aufgeschoben (da wir alternativ auch einfach wieder mit dem Zelt losziehen würden), jedoch noch nicht ganz vom Tisch.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

4 Kommentare

  1. Hey David,

    bin gerade auf euren Blog gestossen, direkt gespeichert. Muss mich mal durch die anderen Artikel lesen, ich finde es immer wieder mutig, wenn Menschen mit Familie so offensiv unterwegs sind und sich vom „Kinder haben“ eben nicht abschrecken lassen. Klar ist das eine andere Art zu reisen und es können andere Dinge gemacht werden, aber es ist bestimmt auch schön, so als Familie solche Abenteuer zu überstehen.

  2. Sehr guter Blog, tolle Artikel,

    eine Frage: Hattet ihr eine Vorrichtung im Campervan oder hat das Baby „in eurer Mitte“ geschlafen? War das kein Problem? Danke euch.

    Viele Grüße

    • Hi Tobias, danke für deinen Kommentar!
      Wir hatten in Neuseeland einen kleinen Campervan und habe zu dritt unten geschlafen (den Dachraum haben wir nur als Stauraum verwendet). Paul hat bei mir an der Seite geschlafen, da dort eine Ausbeulung für den Radkasten war und er da einfach besser „hingepasst“ hat 😉
      Mehr dazu kannst du im Artikel zu unserem Campervan in Neueseeland lesen im Kapitel „Schlafsituation“. 🙂

      Viele Grüße
      David

  3. Wow! Ich bin echt beeindruckt, dass ihr diesen ganzen administrativen Part so glatt hinbekommen habt. Auch mit einem Kind haben wir morgens deutlich länger gebraucht, bis wir in die Gänge gekommen sind. Mit zwei Kindern ist es nicht einfacher geworden. Wenn wir um 10 Uhr los kommen, ist das schon früh. Und abends haben wir die Große manchmal erst um 11 Uhr zum Einschlafen bringen können. Da blieb für uns nicht mehr viel vom Abend übrig. Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Irgendwie ist es bei jeder Reise anders, da sich bei den Kindern ja noch so viel tut in der Entwicklung. Was hat sich denn bei euch zu viert geändert? Läuft das immer noch so aalglatt? Ich bin wirklich ein bisschen neidisch 🙂
    LG, Nicole

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