In einer Reihe von Round-Up Posts werden wir die Ansichten von Viel-Reisenden und Travel-Bloggern zum Thema Reisen mit Kind und Baby mit Euch teilen. Wir möchten von Ihnen wissen was sich an ihrem Stil zu reisen mit Kind ändern würde und welche Gegenden der Erde sie bisher besonders kinderfreundlich wahrgenommen haben – Inspiration und Tipps für Reisende Eltern!

Hintergrund dieser Reihe ist, dass uns bisher oft begegnet ist, dass Paare ein Kind zu bekommen aufschieben, da es nicht zu ihrem Weltentdecker- und Freiheitsdrang passt. Unsere Gäste in dieser Runde haben so manche Paare mit Kind auf ihren Reisen getroffen und wissen auch darüber zu berichten.

Diesmal mit Anna von Anemina Travels.

1) Stell dir vor du bekommst demnächst ein Kind. Was ändert sich an deinem Stil zu reisen?

Ich reise gerne weit und schnell. Weit heißt: Ich fliege häufig lange Strecken und bin dann auch mal fast 24 Stunden im Flugzeug. Ich mag es gerne exotisch und abenteuerlich. Schnell heißt: Egal wo ich bin, ich möchte möglichst viel erleben. Da kommt es auch mal vor, dass ich zwei Wochen lang alle zwei Tage woanders schlafe und zwischendurch längere Strecken zurücklege – mit Bus, Bahn oder Mietwagen.

Anna unterwegs in Südost-Asien

Anna unterwegs in Südost-Asien – Foto von Anemina Travels.

Für mich selbst ist das körperlich manchmal schon sehr anstrengend, aber ich mag es, weil ich ohnehin nicht gut stillsitzen kann. Würde ich das einem Kind antun? Nein. Meine Art zu reisen würde sich zwangsläufig entschleunigen. Ich müsste mir mehr Zeit nehmen, auch mal länger am Stück an einem Ort bleiben. Ich würde einen sehr langen Langstreckenflug vielleicht in kleinere Etappen unterteilen.

Ich glaube, dass sich sonst nicht viel ändert. Mit Kind auf dem Rücken wird das Wandern anstrengender und Surfen geht nur, wenn ich jemanden habe, der auf meinen Nachwuchs aufpasst. Weil ich mit Kind mehr Verantwortung habe, muss ich mich außerdem wohl darauf einrichten, dass ich weniger spontan sein kann und ein bisschen besser planen muss. Insgesamt glaube ich aber, dass sich sonst sehr wenig ändert. Ich bin absolut davon überzeugt, dass es nur gut für Kinder sein kann, ein paar Wochen im Dschungel, in der Arktis oder in den Bergen zu verbringen. Und ganz am Anfang brauchen sie sowieso nichts und niemanden außer ihren Eltern.

2) Was von deinen bisherigen Abenteuern hältst du für unmöglich mit Kind?

Das mit dem Surfen habe ich ja gerade schon angesprochen. Ich mache unheimlich gerne Winterurlaub und Surfurlaub. Beim Snowboarden ein Kind auf den Rücken schnallen, das geht nicht und Surfen sowieso nicht. Beides ist erst wieder möglich, wenn die Kinder größer sind und selbst Spaß an diesen Sportarten entwickeln.

Schon kleine Kinder können surfen

Auch kleine Kinder können surfen – jedenfalls in Hawaii – Foto von Anemina Travels.

Und wenn sie daran keinen Spaß haben, dürfen sie eine Woche zu Oma und Opa, ich zumindest fand das als Kind auch immer ganz toll. Wenn ich mal davon ausgehe, dass ich mein Kind nicht alleine, sondern mit meinem Freund gemeinsam großziehe, kann man solche Dinge natürlich auch mit Kleinkind machen – immer unter der Voraussetzung, dass einer auf das Kind aufpasst. Mal alleine Surfen oder eine Piste runter brettern ist okay. Aber auf Dauer würde ich mich doch einsam fühlen.

3) Erzähle mir von Ländern/Gebieten bei denen du das Gefühl hast, dass sie besonders kinderfreundlich sind.

Kinder öffnen alle Türen für Gespräche. Sie sind völlig unvoreingenommen und haben keine Scheu, Kontakt aufzunehmen. Ich glaube, dass das überall auf der Welt so ist. Wie leicht es ist, über Kinder ins Gespräch zu kommen, habe ich in Vietnam erlebt.

Wir waren in einem Überlandbus unterwegs und neben uns saß eine kleine vietnamesische Familie: Mutter, Tante und zwei Kinder. Wir hatten uns schon beim Einsteigen zugelächelt und hallo gesagt, aber mehr auch nicht. Irgendwann bemerkte ich, dass das Mädchen und ihr Bruder uns permanent anstarrten. Sie waren vielleicht 7 und 5 Jahre alt. Als sie sahen, dass ich sie bemerkt hatte, steckten sie ihre Köpfe zusammen und tuschelten erst miteinander und dann mit ihrer Mutter. Und dann sagte die Mutter auf Englisch, dass sie ruhig mit uns reden sollen und mal zeigen, wie gut sie schon Englisch gelernt haben.

Darüber sind wir ins Gespräch gekommen und haben uns dann die ganze Fahrt über mit der Familie unterhalten. Andersherum wäre das sicher genauso gewesen.

4) Was aus deinen Reisen und Erfahrungen, die Du dabei gemacht hast, würdest du unbedingt deinen Kindern mitgeben und erzählen wollen?

Dass sie keine Angst haben sollen und offen für neue Erfahrungen sein sollen. Dass es wichtiger ist, nach Erfahrung zu streben, als nach Besitz. Und ich will ihnen beibringen, bewusst zu reisen und die Kultur und die Natur zu achten. Ich bemühe ungern Zitate, aber nur Erfahrungen sammeln, nur Fußabdrücke hinterlassen trifft es eigentlich schon ziemlich genau.

Hinterlasse nur Fußabdrücke

Hinterlasse nur Fußabdrücke – Foto von Anemina Travels.

5) Hast du Reisetipps für junge Eltern mit Kind? Hast Du vielleicht schon Eltern mit Kind auf deinen Reisen und aus erster Hand Vorteile und Herausforderungen erfahren?

Ich habe mich vor kurzem mit ein paar Kollegen über dieses Thema unterhalten und festgestellt, dass es da eigentlich nur zwei Meinungen gibt. Die einen sagen, man solle mit Kleinkind auf keinen Fall reisen, und wenn doch dann maximal an die Ostsee, die anderen sagen, dass man es auf jeden Fall tun sollte. Ich gehöre zur zweiten Gruppe, glaube aber auch, dass man selbst am besten weiß, was für das eigene Kind gut ist.

Wer gerne All-Inclusive-Strandurlaub am Mittelmeer macht, sollte auch nicht mit seinem Kind zu seinem ersten Backpacking-Abenteuer aufbrechen. Wer überhaupt nicht gerne reist, sollte auch mit Kind besser zuhause bleiben. Aber wer sich mit einem Rucksack auf dem Rücken wohlfühlt und nicht nervös wird, wenn er noch nicht weiß, wo er übermorgen schlafen wird, kann auch mit einem Kind backpacken gehen. Ist alles eine Frage der inneren Einstellung.

Über Anna

Anna TillmannAnna schreibt auf Ihrem Blog Anemina Travels schöne Geschichten über Menschen und Orte und über kleine und große Reiseabenteuer.

Sie fühlt sich dann am wohlsten, wenn sie unterwegs und draußen ist, geht Surfen, Snowboarden und Wandern und liebt Roadtrips.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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