Reisen als Gruppen und mit Freunden kann aus vielerlei Hinsicht verlockend sein. Genau wie das Reisen ganz allein, nur mit sich selbst, birgt es aber auch Geheimnisse, Vorurteile und Unsicherheiten.

Wir sind als Paar, als Familie, mit Freunden, mit anderen Familie und auch allein gereist und haben unterschiedlichste Erfahrungen zu allen Kombinationen sammeln können. Insbesondere das Reisen als Familie mit einer – oder mehreren – anderen Familien gemeinsam, hat viele Besonderheiten. Diese Besonderheiten liegen schon allein in der Tatsache begründet, dass eine größere Gruppe mit unterschiedlichen Meinungen und Interessen am gleichen Strang ziehen muss. Eine Gruppe, die darüber hinaus mehrere Generationen umspannt und möglicherweise auch Kinder in verschiedenartigen Entwicklungsphasen.

Soll ich das überhaupt Experiment wagen?

Ich habe lange hin und her überlegt, ob das Wort Experiment gerechtfertigt ist für diese Zwischenüberschrift. Und abschließend bin ich der Meinung, dass es passend ist.

Irgendwie sind ja allen neuen Gruppenkombinationen beim Reisen ein Experiment, denn ein Experiment ist ein Versuch etwas Bekanntes anders zu machen, mit einem gewissen Risiko, dass es in die Hose geht.

Bist Du nur gewohnt allein in der Welt unterwegs zu sein, wird auch eine erste Reise mit einem Lebenspartner ein Experiment sein. Davon kann ich bei einer Reise mit Eva nicht mehr reden. Wir sind ein eingespieltes Team, haben ähnliche Interessen und Ansichten, wie wir Reisen wollen und sind… schlichtweg vollständig kompatibel.

Die ersten Reisen mit Paul waren ebenso ein Experiment. Natürlich prägen wir unser Kind durch die Art wie wir leben, ein Restrisiko bleibt jedoch auch bei diesem Experiment bestehen. Heute, nach unzähligen Reiseerfahrungen und vielen Tagen unterwegs, ist auch das Reisen mit Paul kein Experiment mehr. Es ist vertraut und fühlt sich in jedem Moment richtig an.

Was passiert nun aber, wenn weitere Personen zur Reisegruppe gehören? Es wird wieder ein neues Experiment. Denn alle Beteiligten müssen harmonieren und in der Gemeinschaft funktionieren. Jede neue Konstellation ist ein kleines Experiment.

Doch diese Experimente können sich sehr lohnen. Jede Art zu Reisen – allein, als Paar, als Familie oder in der Gruppe – hat seinen Reiz und seine Vorteile. So eben auch das Reisen mit anderen Familien. Damit das Risiko bei diesem Experiment etwas geringer ausfällt, haben wir ein paar Tipps zusammengetragen.

Die Grundlage ist Vertrauen und Kommunikation

Beginnen wir mit dem Zwischenmenschlichen. Wir reisen immerhin in einer Gruppe und daher ist es wichtig, dass auch im Sinne einer Gruppe agiert wird. Aus unserer Sicht sind die beste Grundlage, für ein Gelingen bei einer solchen Reise mit Kindern, Vertrauen und Kommunikation.

Vertrauen ist für uns ein Grundbestandteil der Menschlichen Interaktion und das ultimative Bindeglied in Beziehungen und Freundschaften. Gleichermaßen ist Vertrauen daher für uns auch unabdingbar bei einem solchen Vorhaben.

Als zweite Grundlage sehen wir Kommunikation an. Es ist ungemein wichtig klar und offen miteinander zu sprechen und auch in dieser Form miteinander sprechen zu dürfen. Denn wie unschön wäre es, wenn der sprichwörtliche Elefant im Raum steht, aber keiner etwas zu sagen traut? Wenn Frust oder Meinungen nur im Kleinen, abseits der Gruppe, ihren Raum finden? Vermutlich eine Erfahrung, die nicht positiv auf das Experiment schließen lässt.

Deshalb empfehlen wir vorher über die Beziehung zu den Personen nachzudenken, die für eine solche Reise in Frage kommen: Vertrauen wir uns gegenseitig? Stehen wir füreinander ein? Können wir auch einmal Fehler oder Makel des Anderen akzeptieren? Können wir offen miteinander umgehen und mit der unterschiedlichen Meinung umgehen?

Sollten bei diesen Fragen zu viele negative Antworten auftauchen, kann das ein erhöhtes Risiko darstellen, dass Konflikte entstehen und nicht geklärt werden können. Konflikte, die gegebenenfalls Deine Reise und die Erlebnisse und Erfahrungen beeinträchtigen.

Du bist nicht allein

Du wirst vielleicht sagen: Klar bin ich nicht allein. Ich fahre ja schließlich als Familie und dazu auch noch mit weiteren Personen in den Urlaub.

Das stimmt.

Dennoch sind wir alle Menschen und haben eigene Bedürfnisse, Interessen und Meinungen. Noch wichtiger, als es im Umfeld Deiner Familie ohnehin schon ist, musst Du Dir ins Bewusstsein rufen, dass Deine Meinung Gewicht hat, jedoch eine von Vielen ist. Du kannst Deine Meinung und Interessen vertreten, musst diese aber mit anderen abstimmen.

Nimm Dich etwas zurück und denk an die Gruppe im Ganzen.

Du bist kein einsames Schiff allein auf weiter See

Du bist kein einsames Schiff allein auf weiter See

Nicht jeder ist wie Du

Gerade wenn Du bisher nie in Gruppen unterwegs warst, hast Du womöglich Deinen eigenen Reisestil gefunden und auch eine gewisse Vorstellung von Abläufen, Prioritäten und Planungen.

Doch nicht jeder ist wie Du.

Es ist wahnsinnig toll, wenn Du jemanden gefunden hast, der Deine Auffassungen dazu teilt. Der Jemand ist bei Eva. Paul ist ebenfalls (wie sollte es anders sein) kompatibel. Doch jede weitere Person muss das nicht sein. Wir sind individuelle Natur- und Wandertypen, Airbnb-Städte-Trip-Liebhaber, Essenfanatiker und Roadtrip-Künstler. Wir sind aber eben keine starken Museumsbesucher, Füße-Stillhalter und Strandliegen-Magnete.

Bis zu einem gewissen Grad wird es gelingen über Diskrepanzen bei Reisestilen hinweg zu sehen, jedoch wird es eben schwer sein Aktiv-Reisende wie uns, die immer wieder etwas Neues und Anderes sehen möchten in Einklang mit Strandurlaubern zu bringen.

Doch es geht nicht nur um den Reisestil.

Gesteh Dir ein, dass jeder Mensch anders ist. Und gesteh diesen Menschen auch ein Dinge anders zu machen. Wenn Du das im Hinterkopf behältst, ist es deutlich wahrscheinlicher, dass eine Gruppenreise ein Erfolg für Dich werden kann.

Jeder braucht seine Freiräume

Kennst Du dieses Gefühl? Es kommt manchmal schleichend und dann mit einer ohrenbetäubenden Klarheit: Ich brauche Zeit für mich.

Dieses Gefühl ist menschlich und keine fiese Ausgeburt Deines Egoismus. Hin und wieder Freiraum für Dich zu haben tut Dir gut und im weiteren Sinne auch den Menschen in Deiner Umgebung.

Genauso wichtig sind diese Freiräume beim Reisen in einer Gruppe. Legt Euch schon im Vorfeld fest, dass eine Reise in der Gruppe nicht bedeuten muss, dass jede Aktivität, 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche gemeinsam bestritten werden müssen. Bei kurzen Reisen (beispielsweise ein verlängertes Wochenende) mag das noch gehen, auf Dauer ist dies jedoch keine Lösung.

Abläufe und Planung sind das A und O

Dieser Tipp ist vermutlich in den jungen Jahren der Kinder wichtiger, als später.

Gerade in den ersten 2 – 3 Jahren sind Abläufe bei Kindern sehr wichtig. Nicht nur für das Kind, sondern auch für die Eltern. Geraten diese Abläufe zu sehr aus dem Ruder, kann aus einer Reise ein anstrengendes Vorhaben für alle Beteiligten werden.

Folgt ebenfalls einem festen Ablauf: Ebbe und Flut

Folgt ebenfalls einem festen Ablauf: Ebbe und Flut

Aus diesem Grund ist es schon vorab notwendig sich Gedanken zu machen, welche Abläufe es geben könnte und wie diese im Einklang stehen. Überspitzt dargestellt: Ein kleines Kind, dass in der Regel um 20 Uhr am Abend schlafen soll und mitunter früh am Morgen wach ist, ist wenig kompatibel mit einer Gruppe, die gern um die Häuser ziehen will und dann lang ausschläft. Jedenfalls nicht auf engem Raum.

Im Normalfalls sollten die Abläufe nicht so gegensätzlich sein, wie im vorherigen Beispiel, jedoch reicht auch schon ein Altersunterschied zwischen Kindern aus, um einen völlig unterschiedlichen Tagesablauf vorzufinden: Bettzeiten, Mittagsschlaf, Essensverhalten, Aktivitäten.

Testlauf im Kleinen

Unsere dringendste Empfehlung: Probiert es im Kleinen, bevor ihr groß durchstartet.

Vielleicht genügt für den Auftakt einfach schon mal ein Wochenende oder ein verlängertes Wochenende für hinreichende Erkenntnisse. Wie kompatibel ist die Gruppe wirklich? Harmonieren wir auf engem Raum? Funktionieren wir als Reisegruppe? Haben wir die gleichen Vorstellungen von einer Reise?

Wenn es im Kleinen funktioniert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es auch im Großen klappen kann.

Vorteile und unser Fazit

Wenn alles funktioniert, kann eine Reise mit Anderen sehr reizvoll sein und eine ganze Hand voll Vorteile mit sich bringen.

In einer Gruppe kannst Du Dir gegenseitig aushelfen, Aufgaben teilen und verteilen und am Ende sogar günstiger Reisen. Gerade bei Buchungen über Airbnb kommst Du als Gruppe häufig sehr günstig davon.

Du wirst unweigerlich etwas anders reisen und daher Orte, Menschen und Deine Umgebung verändert wahrnehmen. Dein Fokus wird etwas breiter werden. Du wirst Erinnerungen mit weiteren Menschen verbinden. Freundschaften werden noch intensiver und stärker. Und nebenbei wird es später unzählige witzige Geschichten darüber geben. Allein über unsere Silvesternacht in Marrakesch mit Freunden (noch bevor Paul auf die Welt kam) gibt es unzählige Geschichten, die immer und immer wieder erzählt werden.

Was sind Deine Erfahrungen zum Reisen als Familie mit anderen Freunden und Kindern? Hast Du weitere Tipps? Lass es uns gern in den Kommentaren wissen.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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