In einer Reihe von Round-Up Posts werden wir die Ansichten von Viel-Reisenden und Travel-Bloggern zum Thema Reisen mit Kind und Baby mit Euch teilen. Wir möchten von Ihnen wissen was sich an ihrem Stil zu reisen mit Kind ändern würde und welche Gegenden der Erde sie bisher besonders kinderfreundlich wahrgenommen haben – Inspiration und Tipps für Reisende Eltern!

Hintergrund dieser Reihe ist, dass uns bisher oft begegnet ist, dass Paare ein Kind zu bekommen aufschieben, da es nicht zu ihrem Weltentdecker- und Freiheitsdrang passt. Unsere Gäste in dieser Runde haben so manche Paare mit Kind auf ihren Reisen getroffen und wissen auch darüber zu berichten.

Diesmal mit Anja von Happybackpacker.de.

1) Stell dir vor du bekommst demnächst ein Kind. Was ändert sich an deinem Stil zu reisen?

Ich reise unheimlich gerne langsam, nehme mir Zeit und tauche in ein Land und seine Kultur ein. Entweder bleibe ich mehrere Monate am Stück an einem Ort und entdecke die lokalen Besonderheiten oder aber fahre mit dem Van durchs Land. Diese Art des Reisens ist für mich mittlerweile viel entspannender als früher mein rastloses Abhaken möglichst vieler Sehenswürdigkeiten. Insofern hat sich mein Reisestil im Vergleich zu früher schon sehr geändert – und das ganz ohne Kinder. Früher wollte ich in möglichst kurzer Zeit so viel wie möglich sehen und erleben. Dabei habe ich mich gehetzt gefühlt und war manchmal ziemlich ausgepowert von meinem eigenem Tempo.

Wicked-Camper-Bus Australien

Wicked-Camper-Bus Australien – Foto von HAPPYBACKPACKER.de

Ich denke, auch mit Kindern lässt sich so ein entschleunigter Reisestil gut verwirklichen. Ich bin davon überzeugt, dass es keine Ausreden gibt mit Kindern weniger zu reisen. Natürlich erfordert die Planung beim Reisen mit Kindern mehr Organisation, aber dafür wächst die Familie auch auf ganz außergewöhnlichem Wege zusammen. In meinen Augen jedenfalls besser als wenn der Papa jeden Tag zehn Stunden Schichten im Büro schiebt und kaum etwas von seinen Kindern mitbekommt.

2) Was von deinen bisherigen Abenteuern hältst du für unmöglich mit Kind?

Wie gesagt, surfe und tauche ich sehr gerne. Beide Sportarten sind zumindest in den ersten drei bis vier Lebensjahren nicht möglich. Da braucht man einen verständnisvollen Partner, der bei der Kinderbetreuung mit anpackt. Aber es gibt auch Babysitter, Großeltern und ganz andere Möglichkeiten, seine Kinder mal ein paar Stunden „abzugeben“. Vielleicht stelle ich mir das auch zu einfach vor – das sind ja alles nur Gedankenspiele – und meist weiß man erst, wenn man selber Mutter ist, wie sich dieses Abenteuer in der Realität anfühlt.

Surfing in Idaho

Surfing in Idaho – Foto von HAPPYBACKPACKER.de

Aber idealerweise möchte ich meinen Kindern den Lifestyle und die Freude am Outdoor-Sport mit auf ihren Weg weiter geben. Gemeinsam auf dem Wasser sein und Respekt vor der Natur zu erfahren.

3) Erzähle mir von Ländern/ Gebieten bei denen du das Gefühl hast, dass sie besonders kinderfreundlich sind.

Ich habe das Gefühl, dass Kinder die perfekten „Eisbrecher“ sind. Ein scheues Lächeln hier, ein aufmunternder Blick dort oder ein kurzes Fußballspiel: es ist wahnsinnig einfach, mit Kindern in Kontakt zu treten, einfach weil sie neugierig und offen sind. Eigentlich die idealen Reisenden, unabhängig vom Land.

Kinder am Strand

Kinder am Strand – Foto von HAPPYBACKPACKER.de

4) Was aus deinen Reisen und Erfahrungen, die Du dabei gemacht hast, würdest du unbedingt deinen Kindern mitgeben und erzählen wollen?

Ich würde meinen Kindern gerne einmal mit auf ihrem Weg geben, dass es in Ordnung ist, den Weg nicht zu kennen und trotzdem erst einmal drauf los zu laufen. Dass sie keine Angst haben sollen, Fehler zu machen oder neue Erfahrungen zu machen – die vielleicht auch abseits der klassischen Pfade liegen. Das sie vorurteilsfrei und mit offenen Augen durchs Leben laufen und sich ihre kindliche Freude erhalten.

Ich komme aus einer ziemlich spießigen Familie. Arbeit, Pflicht und Pünktlichkeit stehen im Mittelpunkt. Das Vergnügen kommt später – erst nach getaner Arbeit und schon gar nicht reist man eben mal so ein paar Jahre durch die Weltgeschichte herum.

Ich würde mich dagegen freuen, wenn meine Kinder irgendwann einmal selbständig die Kraft  finden werden, ihren ureigenen Weg zu gehen und selbstbewusst dazu zu stehen. Egal wie dieser Weg aussehen mag.

5) Hast du Reisetipps für junge Eltern mit Kind? Hast Du vielleicht schon Eltern mit Kind auf deinen Reisen und aus erster Hand Vorteile und Herausforderungen erfahren?

Um ehrlich zu sein fällt es mir als elternlose Reisende schwer, Eltern Tipps zu geben. Sie sind die Profis und kennen sich und ihre kleine Familie am besten. Man muss sich selbst gegenüber ehrlich sein und abschätzen, ob alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Denn Reisen bedeutet, dass man 24/7 aufeinander hängt, oftmals die absurdesten Erlebnisse und Herausforderungen meistern muss und manchmal einfach nur seine Ruhe will.

Waren die Eltern schon vor der Geburt ihrer Kinder erfahrene Reisende, stellt sich sicherlich gar nicht die Frage, ob weiter gereist wird. Andere, die so etwas zum ersten Mal machen, müssen ausprobieren, was sich gut anfühlt. Vielleicht mit einem kleinen Urlaub anfangen, zelten gehen oder Roadtrips unternehmen und dann schauen, wie sich das anfühlt.

Mein bester Tipp ist daher, einfach zu entspannen und sich langsam an das große Abenteuer heranzutasten.

Über Anja

Anja KnorrAnja schreibt auf ihrem Reiseblog Happybackpacker über ihr Leben als surfende und tauchende Weltreisende.

Sie ist durch fast 60 Länder gereist und hat in vier Ländern auf drei verschiedenen Kontinenten insgesamt acht Jahre gelebt.

Anja liebt Abenteuer in Strandnähe und friert bei Temperaturen unter 20 Grad.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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