Wir hatten eigentlich kein Motorhome oder Wohnwagen gebucht, sondern ursprünglich viel kleiner gedacht. Wir hatten einen schmalen Camper-Van gebucht – eine fahrende platztechnische Herausforderung für unsere kleine Familie.

Dennoch sitzen wir nun in Noosa an der australischen Ostküste in einem riesigen Schiff von Wohnwagen. Wir haben ein Upgrade bekommen, dass uns mehr Platz und Komfort, aber auch einen höheren Verbrauch und hin- und wieder mehr Zeit bei der Parkplatzsuche beschert.

Unser Wohnmobil in Australien

Unser Wohnmobil in Australien

Wir haben uns vor der Reise einige Fragen zum Camper-Van gestellt, die so zum Teil einfach nicht auf den Seiten von Britz und Co beantwortet werden.

Deswegen möchten wir den Wagen im Detail vorstellen und werden das dann auch mit der kleineren Variante machen, wenn wir diese in Neuseeland bewohnt haben.

Das Fahrzeug

Das Wohnmobil setzt auf einem Mercedes-Transporter auf und läuft mit einem Diesel Motor. Es ist ein Automatik-Getriebe. Der Karren verbraucht bei unserer Fahrweise und Last um die 15 Liter auf 100km. Bei australischen Strecken kommt einem das Tanken also recht häufig vor, da mit einer Tankfüllung nur etwa 450 – 500km zurückgelegt werden können. Volltanken schlägt mit etwa 80$ zu Buche, derzeit also ungefähr 50€.

Das Auto ist etwas größer als ein normaler PKW oder die kleinen Camper Vans. Der Karren ist 3,4m hoch und etwas über 7m lang. Das macht sich bemerkbar: bei Brücken, Bäumen und Parkplätzen und -häusern muss aufgepasst werden! Die Länge schließt dazu auch noch einige Parklücken aus. Jedoch sind dies wirklich nur einige: in Australien gibt es viel Platz – so auch auf Parkplätzen. Auch dieses Monster haben wir immer recht zügig irgendwo abstellen können.

Größe und Länge Britz Frontier

Schon ganz schöne Ausmaße

Die Sitzplatzsituation

Im Fahrerhaus gibt es nur zwei Plätze. Ein Babysitz darf hier nicht befestigt werden. Die restlichen drei Sitzplätze gibt es im Wohnraum. Dieser ist direkt aus der Fahrerkabine begehbar – das stellte sich für uns als praktisch heraus.Vor allem für Paul als Zugangsweg zum Lieblingsspielplatz. Er liebt es in der Fahrerkabine zu stehen und den Warnblinker an und aus zu schalten, unsere Nachbarn auf den Campingplätzen möglicherweise eher nicht. Das stört ihn aber wenig.

Fahrerhaus

Fahrerhaus

Wenn Paul im Kindersitz schläft, sitzt er darin friedlich hinten allein während wir den Koloss durch das Land schleusen. Wird Paul wach oder ist wach während der Fahrt sitzt einer von uns neben ihm hinten und spielt mit ihm. Durch die Verbindung zwischen Fahrerhaus und Kabine bekommen wir auch direkt mit, wenn Paul wach wird oder etwas braucht.

Die Sache mit dem Kindersitz in Australien

Offiziell sind deutsche Kindersitze in Australien nicht zugelassen, da unsere Prüfsiegel hier keine Gültigkeit besitzen.

Das Problem: Britz und andere Anbieter haben nicht die besten und nicht die neusten Modelle australischer Kindersitze.

Kindersitz Australien

Befestigte Babyschale im Wohnraum

Unsere Lösung: wir haben unseren deutschen Kindersitz (den wir auf Grund der Sicherheit beim Fliegen mit Baby eh dabei haben) auch hier im Camper genutzt. Denn Sicherheit geht für uns vor. Im Falle einer Verkehrskontrolle hätten wir einfach gehofft, dass nicht darauf geachtet wird, oder diskutiert. Hätte, wenn und aber… Der Fall ist bisher (zum Glück) nicht eingetreten.

Die Schlafsituation

Es können mit dem Gefährt zwar nur fünf Personen fahren, aber theoretisch sechs Personen darin nächtigen.

Es gibt ein Bett ganz am Ende des Fahrzeuges, dass umgebaut werden kann. Dort kann sonst auch eine Sitzecke mit Tisch genutzt werden.

Der vordere Sitzbereich im Wohnraum kann ebenfalls zu einem Bett umgebaut werden. Alternativ ist hier der Essbereich mit Tisch.

Über der Fahrerkabine ist ebenfalls ein Bett vorgesehen. Dieses Bett wird über eine Leiter bestiegen und kann durch ein Fallnetz gesichert werden.

Zum Schlafen nutzen wir nur das Bett über der Fahrerkabine. Darin können wir zu dritt gut schlafen, auch wenn es nur eine Breite von 1,60m hat.

Den vorderen Bereich haben wir mit Sitzplätzen und Tisch hergerichtet und nutzen ihn beim Essen, sollten wir nicht draußen sitzen können (was selten der Fall ist).

Vorderer Bereich: Esstisch und Sitzplätze, oben das Bett über der Fahrerkabine mit Fallnetz

Vorderer Bereich: Esstisch und Sitzplätze, oben das Bett über der Fahrerkabine mit Fallnetz

Den hinteren Bereich haben wir permanent zum Bett umgebaut und nennen ihn den „Paul-Tobe-Bereich“. Hier kann er klettern, spielen und toben ohne sich zu verletzen.

Hinterer Bereich: Links Zugang zur Toilette & Dusche, hinten umgebaut zum Bett

Hinterer Bereich: Links Zugang zur Toilette & Dusche, hinten umgebaut zum Bett

Die Schlafsituation ist also luxuriös – platztechnisch als auch die Qualität des Bettes.

Die Bettwäsche inklusive Kissen und Decken gibt es von Britz.

Die Küche

Bei der Einweisung in das Fahrzeug wurde uns folgendes gesagt: „Ihr werdet nur selten hier kochen. Viel mehr werdet ihr die Campingküchen mit den BBQs und Kochstellen nutzen“.

Und Recht hatten sie. Wir arbeiten zwar mit Toaster und Wasserkocher (ist im Fahrzeug standardmäßig drin), um Frühstück zu machen und mal mit der Mikrowelle, um etwas schnell aufzuwärmen, den wirklichen Kochbereich nutzen wir aber nur wenn wir in der Wildnis stehen. Dort gibt es keinen Strom und somit werden Mikrowelle und alle Geräte die an den 240V Steckdosen hängen nicht bedient. Da greifen wir dann gern auf den Gasherd mit vier Flammen zurück.

Küche: Ausgestattet mit Gasherd, Kühlschrank mit Eisfach, Toaster, Wasserkocher, Mikrowelle

Küche: Ausgestattet mit Gasherd, Kühlschrank mit Eisfach, Toaster, Wasserkocher, Mikrowelle

Besteck und Kochutensilien (Tassen, Gläser, Teller, Schalen, Sieb, Salatschüssel, Pfanne, Töpfe, Schneidebretter, Messerset, Sparschäler, Grillzange) sind ausreichend vorhanden. Die Spüle hat zwei Wasserhähne: einer der direkt aus dem Frischwassertank liefert und einer, dessen Wasser vorher noch einmal gefiltert wird.

Weiterhin ist ein Kühlschrank mit Eisfach verbaut. Dieser wird ein ohne 240V Stromanschluss betrieben und schaltet selbst zwischen Batterie und Strom-Modus um.

Toilette und Dusche

Verwenden wir tatsächlich auch sehr wenig bis gar nicht. Ist Beides auf den Plätzen viel besser und vor allem größer. Für den Notfall aber beides vorhanden und nutzbar.

Wasser im Camper

Frischwasser kann an jedem Campingplatz aufgefüllt werden. Dazu ist bereits ein Schlauch im Fahrzeug vorhanden. Eine Wasserpumpe, die auch Batteriebetrieben funktioniert fördert das Wasser bei Bedarf in Küche oder Bad.

Warmwasserbereitung findet mit Gas statt. Im Fahrzeug ist eine große Gasflasche verbaut, die dazu verwendet wird. Ebenfalls wird diese für den Herd genutzt. Eine volle Gasflasche ist bei Anmietung bereits enthalten. Wer damit nur kocht wird diese ewig nutzen können. Wir brauchten diese in sechs Wochen nicht wechseln.

Verbrauchtes Wasser landet im Waste Water Tank. Dieser kann durch einen Hahn und angeschlossenem Schlauch entleert werden. Das sollte regelmäßig geschehen, vor allem bei hohen Temperaturen. Sonst fängt es schnell an zu stinken (hat man uns gesagt).

Camper Seite 2

Strom im Camper

Es gibt neben der originären Autobatterie eine zweite Batterie nur für die Geräte im Wohnraum. Diese bedient die Wasserpumpe, die Lichter, die 12V Steckdose (Autostecker), den Kühlschrank sowie das Radio und Lautsprecher im hinteren Bereich.

Hiermit kann auch die Trittstufe und das Vordach ausgefahren werden.

Nur mit 240V Strom angeschlossen funktionieren auch die Mikrowelle, die Klimaanlage, sowie die 240V Steckdosen. Für den Stromanschluß ist ein langes Kabel vorgesehen, dass auf den Plätzen mit Powered Sites (Stellplätzen mit Stromanschluss) einfach eingesteckt werden kann.

Stauraum

Unendlich viel – wenn man hier nur mit 2,5 Personen unterwegs ist. Bei Vollbesetzung stellen wir uns das schon eher knapp vor.

Zusätzlich zu sechs Schrankfächern gibt es offene Regale, Netze, Kleiderhaken, eine Garderobe und Stauflächen unter allen Sitzen im Wohnbereich.

Dort ist sogar ein Safe verbaut.

An die Stauflächen unter den hintersten Sitzflächen kommt man darüber hinaus über verschließbare Klappen von außen heran.

Dort sind auch Tisch und Stühle für den „Balkon“ verstaut.

Camper Seite 1

Entertainment

Es gibt wie gesagt ein Radio für den hinteren Bereich. Es hat einen AUX-Anschluss – das Kabel muss man selbst mitbringen. Wir haben darüber dann unsere Musik von Spotify abgespielt.

Es gibt auch einen Fernseher. Aber keinen Antennenanschluss. Kann wohl für DVDs genutzt werden, haben wir aber nie gemacht.

Es gibt auch ein Radio in der Fahrerkabine. Dort gibt es auch die Möglichkeit CDs abzuspielen. Aber wer hat denn sowas noch?

Entertainment bietet auch der eingebaute Rauchmelder. Egal was gekocht oder getoastet wird – er geht an. Auch wenn Fenster und Dachluken geöffnet sind. Das fröhliche Piepen dieser Dinger hört man auf den Campingplätzen häufiger (und nicht nur bei uns).

Nachtruhe

Alle Fenster haben Vorhänge, die geschlossen werden können. Außerdem sind die Fenster mit Fliegengittern versehen und damit kann in der Nacht die etwas kühlere Luft genutzt werden. Wir haben nie mit aktiver Klimaanlage geschlafen, sondern lieber die milde Meeresluft vorgezogen. Neben den Fenstern gibt es auch drei Dachklappen – ebenfalls mit Gittern ausgestattet – die genutzt werden können. Da es sehr zeitig hell wird ist dies jedoch etwas schwieriger.

Unser Fazit

Wir haben ein altes Fahrzeug bekommen, da Mighty die letzte Verwertungsstufe bei THL darstellt. Neue Fahrzeuge beginnen bei Kea, nach 1 – 2 Jahren werden sie zu Maui gegeben, nach 3 Jahren zu Britz und nach 4 – 5 Jahren zu Mighty. Danach werden sie verkauft.

Unser Van hat 272.000 km runter. Er ist etwa 5 Jahre alt. Die Gebrauchsspuren sind erkennbar.

Davon abgesehen ist das Fahrzeug und die Ausstattung für 2,5 Personen sehr gut. Neuere Modelle von StarRV oder Kea/ Maui sind noch weiter entwickelt und dürften noch mehr Komfort bieten.

Für uns hat sich das Upgrade auf Grund des Platzes gelohnt und wir sind gespannt wie es in dem kleinen Van in Neuseeland sein wird.

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Über den Autor

… ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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