Wir sind angefixt.
Nach drei Monaten in Campervans in Australien und Neuseeland, haben wir diese freie Art zu reisen als unser Nonplusultra entdeckt. Wir haben zu Beginn des Jahres lange mit dem Gedanken gespielt selbst einen Campervan auszubauen, zu kaufen oder zumindest einen Wohnwagen zu erstehen.

Doch wir haben es nicht getan.

Wir kamen zu der Erkenntnis, dass wir die gleiche Freiheit – oder sogar noch mehr – erreichen könnten, wenn wir stattdessen in eine vernünftige Outdoor-Ausrüstung investieren, die ein gutes Zelt, vernünftige Schlafsäcke und Iso-Matten beinhaltet. Unser Motto heißt also: Lieber Zelten mit Kindern.

Die Investition in eine vernünftige Ausrüstung fürs Camping ist immer noch groß (für den Moment), jedoch im Vergleich zu den alternativ anfallenden Hotelkosten, oder dem Kauf und Umbau eines Campervans, ein Schnäppchen.

Wir hatten bereits Erfahrung mit dem Campingurlaub im Zelt und wussten, dass auch das zu uns passen würde. Wir wussten, dass wir auch in anderen Ländern auf diese Weise reisen würden und häufig Campingplätze an den schönsten Stellen existieren. Also zogen wir los, ließen uns beraten und kauften die Ausrüstung.

Und dann stand der erste Testlauf an: Nur mit Fahrrad, Zelt und Kleinkind durch die „Heide“. Unser Campingurlaub Experiment.

Ordentlich bepackt ging es mit Rad, Anhänger und Zeltausrüstung los

Ordentlich bepackt ging es mit Rad, Anhänger und Zeltausrüstung los durch die Natur

Die Ausrüstung

Zur Ausrüstung haben wir einen weiteren, detaillierten Artikel für Dich.

Generell hatten wir jedoch dabei:

  • Fahrräder (und Reparaturset, Ersatzschläuche)
  • Thule Chariot CX1 Anhänger und Thule Kindersitz als Alternative
  • Radtaschen
  • Zelt
  • Iso-Matten und Schlafsäcke
  • Verpflegung – Ideen dafür haben wir in einem Ratgeber für Reisen mit Kindern gefunden
  • Kleidung
  • Regensachen

Da kommt einiges an Masse zusammen, jedoch lies es sich gut mit den vorhandenen Möglichkeiten transportieren. Dennoch war das Radeln deutlich anstrengender als noch auf unserer Berlin – Kopenhagen – Tour ohne Zeltausrüstung und kleinen Begleiter.

Die Strecke: Mit Kleinkind auf dem Fahrrad

Die Route für den Testlauf

Die Route für den Testlauf

Unsere Runde führte uns über vier Tage und etwa 120km durch Brandenburg. Von Potsdam aus ging es über eine Teilstrecke des Europaradweges R1 nach Lehnin. Auf dieser Teilstrecke wurden wir mehrfach ordentlich nass und änderten sogar unsere geplante Route für den Tag (die etwas länger angelegt war), um weitere feuchte Überraschungen zu vermeiden. In Lehnin schlugen wir unser Zelt auf einem schön gelegenen Naturcampingplatz auf und schauten uns das dortige Kloster an.

Am nächsten Tag führte uns die Strecke weiter bis Ketzin an der Havel. Dabei nutzen wir den gut ausgebauten Radweg Tour Brandenburg und entlang der Havel den gleichnamigen Havel Radweg. In Ketzin erwartete uns ein Campingplatz direkt an der Havel – perfekt!

Am dritten Tag ging es für uns weiter nach Werder, ebenfalls immer entlang des Havel Radweges. In Werder fanden wir ebenfalls einen schönen Platz, der für Paul viel zu bieten hatte und mit dem aufkommenden schönen Wetter sogar gute Bademöglichkeiten bot.

Den letzten Tag nutzten wir noch zu einem großen Teil in Werder, bevor die kurze Heimreise nach Potsdam begann. Die letzten 15km fühlten sich nach den eher längeren Tagen zuvor wie eine Spazierfahrt an.

Und wie fand Paul das Radfahren auf Dauer?

Das war gar kein Problem.

Wir haben seine Müdigkeit abgepasst und er hat – während wir uns auf dem Drahtesel abschufteten – in seinem Anhänger seelenruhig geschlafen. Das Geschaukel hat uns auch die notwendige Zeit verschafft, um einen guten Teil der Strecke durch die schöne Natur, die uns umgab, zurückzulegen.

Auch wach war Paul von der Art zu Reisen angetan. Es gab viel zu sehen: Tiere, Traktoren, Boote und Wasser. Im Alter von fast zwei Jahren und bei einem regen Interesse an Tieren und Maschinen war diese Kombination für ihn perfekt.

Erst am Ende der langen Etappen hatte auch Paul keine Lust mehr (und auch Spielzeug und Essen hielten ihn nicht mehr im Anhänger). Dafür hatten wir die Alternative Fahrradsitz und die Perspektive ohnehin kurz vorm Tagesziel zu sein.

Generell haben wir die Strecken jedoch auch so geplant, dass wir in Summe nie mehr als 3 – 4 Stunden (mit Pausen zwischendurch) unterwegs waren. So hatte Paul noch viel vom Tag und freute sich dann auch am nächsten Tag wieder weiterzufahren.

Mit Kleinkind im Zelt

Und wie lief es mit dem Zelt?

Pauls erste Nacht im Zelt war Horror. Es regnete in Strömen und die Tropfen knallten wie kleine Steine auf unser Zeltdach. Es war nur eine Frage der Zeit bis Paul wach wird. Und so sollte es kommen.

In seinem richtigen Outdoor-Schlafsack (Neuland), auf einer Iso-Matte (Neuland) in einem Zelt (Neuland) war uns das Risiko durchaus bewusst. In dieser Nacht war Paul sehr unruhig und mehrfach wach. Keiner von uns machte über einen längeren Zeitraum die Augen zu und so waren wir auch alle am nächsten Morgen fix und fertig. Das Experiment Camping drohte zu scheitern.

Zelten mit Kindern

Unser Zelt vor der regenreichen Nacht

Doch wir entschieden uns nicht abzubrechen. Wir entschieden uns weiter zu fahren und auch weiterhin zu Zelten.

Die kommende Nacht war dann das genaue Gegenteil: Wir betten Paul auf seiner Iso-Matte in seinem Schlafsack und er schlief seelenruhig durch. In der letzten Nacht ebenso und sogar so fest, dass wir ihn gestört haben, weil wir dann schon wach wurden.

Wir glauben also, dass diese Art von Reisen und Urlaub zu machen sehr kompatibel mit einem Kleinkind ist. Wir selbst gestehen uns aber ein, dass wir uns das Zelten mit Baby (unter einem Jahr) nicht hätten vorstellen können. Auch das lange Radfahren eher nicht. Doch es gibt ja auch genügend andere Abenteuer, die mit einem Baby angegangen werden können – auch ohne Rad und Zelt.

Unser Fazit zum Zelten mit Kindern

Aus unserer Sicht hat Paul gerade ein tolles Alter für genau diese Art zu Reisen. Wir werten das Experiment Camping – wenn auch mit einigen Schwierigkeiten zwischendurch – als erfolgreich und werden in diesem Jahr noch einmal für ein paar Wochen so in Portugal auf diese Weise Urlaub machen (jedenfalls mit Zelt, nicht Fahrrad).

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

3 Kommentare

  1. Hallo David,
    schön, dass euer Experiment erfolgreich war. Mit unserem Sohn haben wir damals auch das Experiment gemacht. Da war er 1,5 und wir sind nach Amsterdam gefahren. Vor zwei Wochen wollten wir eigentlich das erste Mal mit zwei Kindern mit dem Fahrrad lis nach Kopenhagen. Leider ist unser Anhänger kaputt gegangen, einen Termin in der Werkstatt haben wir erst am 23.8. bekommen :-/ Hoffentlich wird das nicht zu teuer und wir schaffen es danach doch noch, uns auf den Weg zu machen.

    Viele Grüße
    Christin

    • Wow, das klingt ja alles super. Und klingt auch so als wäre Euere Art zu reisen gar nicht so unähnlich zu unserer.

      Der Weg von Berlin nach Kopenhagen (wird es der werden?) ist übrigens traumhaft schön und gut geeignet 🙂 lasst uns dann mal wissen wie es war.

      Viele Grüße
      David

      • Wir starten ja von Hannover aus. Und weil es auch eine Testtour mit zwei Kindern werden soll, hatten geplant, erstmal mit dem Zug nach Fehmarn zu fahren und von dort aus mit der Fähre nach Rødby. Dann über Lolland, Falster und Sjælland nach Kopenhagen. Also erstmal nicht so eine weite Strecke. Das sind 160 km, sollte sich also eigentlich recht locker in einer Woche fahren lassen. Auf der Tour nach Amsterdam hatten wir im Schnitt 30 km pro Tag, mit zwei Kindern wird es wahrscheinlich etwas weniger sein.
        Ich habe aber vorhin auch schon deinen Artikel zum Radweg von Berlin nach Kopenhagen gelesen. Bei solch einer Reise ist man ja zum Glück sehr flexibel, der Weg ab Berlin klingt jedenfalls auch super.
        Im Übrigen bin ich ganz froh, dass wir doch nicht gefahren sind. Bei dem Wetter im Moment vergeht einem ja alle Lust auf das Fahrrad fahren. Vielleicht wird es ja Ende Augst/Anfang September nochmal schön, so dass wir doch noch losfahren können 🙂

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