Was bedeutet Freiheit? Für uns – in unserem kleinen Reisekontext – bedeutet es freie Entscheidungen treffen zu können. Zu entscheiden wohin wir fahren und wie lange wir dort bleiben. Keinen festen Plan verfolgen zu müssen und über so viel Zeit zu verfügen, dass es zumindest einige Woche den Anschein hat, wir hätten auch davon unbegrenzte Mittel.

Gerade befinden wir uns genau in diesem perfekten Zustand und haben spontan entschieden das italienische Festland gegen das italienische Inselleben zu tauschen. Und so haben wir eine Nachtfähre von Civitavecchia in der Nähe von Rom nach Sardinien (Olbia) gebucht.

Die Idee mit der Fähre zu einer Mittelmeerinsel überzusetzen reifte in uns, als wir über unsere weitere Route nachdachten. Wir wollten nicht zu weit in den Süden Italiens fahren, um nicht zu viel Strecke dann auch wieder zurückfahren zu müssen, da wir irgendwann und irgendwie noch nach Frankreich wollen. Wir wollten aber auch nicht unbedingt durch die Toskana in Richtung Frankreich reisen, da wir dieses Gebiet Italiens schon ausgiebig bereist hatten.

Daher schauten wir nach Alternativen. Und die gab es in Form von großen Schiffen, die Autos transportieren. Doch diese neue Idee und unsere Freiheiten stellten uns vor ein neues Problem: die schiere Auswahl an Möglichkeiten. Es gibt unzählige Routen, Varianten, Anbieter und Zeiten. Vor allem wenn einem das Ziel und der Ausgangshafen nicht ganz klar ist.

Doch wir wählten nach einiger Recherche Sardinien, um noch ein paar Wochen in Italien zu bleiben und gleichzeitig einen guten Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Genua (um sich Frankreich aus dem Osten zu nähern), Barcelona (oder aus dem Süden) oder nach Frankreich direkt (Toulon, Korsika) zu schaffen.

Paul beobachtet aus dem Fenster der Kabine die Ausfahrt aus dem Hafen

Reisen mit Kindern auf einer Nachtfähre

So richtig lange Fährfahrten haben wir bisher nicht auf dem Konto. Die Fähre von Rostock nach Dänemark oder von Wellington nach Picton sind eher kürzere Verbindungen bei Tageslicht.

Die Überfahrt von Rom nach Sardinien benötigt jedoch ein paar Stunden mehr, sodass wir uns dazu entschieden haben eine Nachtfähre zu nehmen und eine Kabine zu buchen. Die Kabine kostete nicht viel extra (um die 50 Euro) und war geräumig, sauber und bot sogar eine gute Dusche.

Und diese Dusche brauchte ich dringend. Nicht, weil das Camperleben mich zum stinkenden Monster gemacht hat, sondern weil ich zu meinem erschaudern beim Versuch auf die Fähre zu fahren feststellen musste, dass diese nur auf einer Seite eine Zufahrt hat. Das klingt harmlos, ich weiß. Leider ist es das nicht, wenn man einen 6,5 Meter langen Anhänger zieht. Denn dieser Anhänger muss mit auf die Fähre. Und wenn es nur auf einer Seite eine Zufahrt gibt, muss er wohl rückwärts auf die Fähre kommen. Meine Freude kannte keine Grenzen.

Ich – als Anhänger-First-Timer – hatte vorbildlich eine Fahrstunde genommen, um nochmal die Basics zu lernen. Als es um das Thema Rückwärtsfahren mit Anhänger ging, begnügte ich mich mit der Aussage des Verleihers „wenn das nötig wird, können Sie den Hänger immer abhängen und schieben“. Leider keine geeignete Lösung, um einen Anhänger auf eine Fähre zu bekommen. Also wendete ich und begann rückwärts auf die Fähre zu schieben. Mit Paul auf dem Schoß, der mit guten Tipps nicht geizte und einer Frau im Auto, die von mir dabei noch ein Video macht. Va bene!

Die Nachtfähre hatte für uns jedoch auch viele Vorteile. Wir konnten den gesamten Tag der Abfahrt noch in Rom nutzen, da wir eine Fähre um 22:30 Uhr wählten. Selbst bei den obligatorischen zwei Stunden, die wir zeitiger am Terminal sein müssten, blieb genügend vom Tag.

Um diese Zeit – auch mit der Aufregung auf so einem großen Schiff zu sein – ist auch sicher, dass beide Kinder erschöpft ins Bett fallen werden. Und das klappte auch. Pauls „ich bin nicht müde“, als er neben mir im Bett lag, war direkt gefolgt von schwerem Atmen und leisem Schnarchen.

Danach verging die Fahrt wie im Schlaf, bis wir morgens gegen 6 Uhr durch die Durchsage des Kapitäns geweckt wurden, dass wir nun in den Hafen von Olbia einlaufen.

Gerade noch genug Zeit etwas Kleines zu frühstücken und in die Garage zum Auto zu gehen. Durch meinen tapferen Einsatz am Vortag war es nun ein Leichtes die Fähre vorwärts zu verlassen. Puh.

Sonnenaufgang bei der Einfahrt in den Hafen von Olbia

Unsere Highlights auf Sardinien

Das Lebensgefühl

Mit Sardinien kam bei uns ein verändertes Reisegefühl auf. Mit dem Verlassen der Fähre und dem Start in Olbia waren wir auf unbestimmte Zeit Inselbewohner. Der Duft von Pinien und salzigem Meerwasser lag in der Luft und auf den Campingplätzen mit Meerlage war das Rauschen der Wellen beruhigend zu hören. Sardinien entschleunigte und nochmals, ließ uns mehr Verbindungen zu anderen Familien und Reisenden aufbauen und zeigte uns noch eine weitere Facette von Italien.

Sammelleidenschaft

Immer am Meer, meist mit viel Ruhe

Wassersport

Alghero – aus unserer Sicht die schönste Stadt der Insel

Die kleine Stadt Alghero hat es uns so richtig angetan. Sei es die Kirchenkuppel mit bunten Ziegeln, die kleinen engen Gassen, der gute Kaffee, das tolle Essen, die vielen kleinen Läden oder die Möglichkeit am Meer entlang zu flanieren… wir können es nicht genau sagen, aber sind nach wie vor begeistert von diesem Ort. Und die Bilder zeigen im Ansatz wovon wir sprechen.

Algheros Altstadt – Wunderschön

Überall kleine, feine Gassen

Geschmückte Häuser in der Altstadt

Bunte Kuppel

Agriturismo „Le Pinette“

Ganz in der Nähe von Alghero – wir erreichten das Restaurant auf dem Rückweg von der Neptungrotte – liegt das Agritourismo „Le Pinette“. Dabei handelt es sich um ein kleines Restaurant auf dem Lande, dass lokale Produkte für landestypische Speisen verwendet. Wir labten uns an italienischem Käse, Schinken, handgemachter Pasta mit in Butter und Salbei, Ravioli al Ragu, probierten Schnecken und aßen Fleisch, begleitet von Rotwein und abgerundet mit Dolce und Café. La dolce vita in reinster Form.

Le Pinette“ servierte das beste italienische Essen, das wir in unserem diesmaligen Aufenthalt in Italien genossen haben. Auch bei unserer Tour durch die Toskana haben wir zumeist in den Agritourismo am besten gegessen und noch dazu preisgünstig.

Antipasti

Secondi

Is Arutas – der Reiskornstrand

Is Arutas – in der Nähe von Oristano gelegen – ist ein Kiesstrand mit der Besonderheit, dass er aus fast ausschließlich weißen, äußerst feinen Kieseln besteht. Diese sehen aus wie kleine Reiskörner, was ihm seinen Beinamen gab.

Nicht nur, dass ich Kiesstrände dem Sand vorziehe, dieser Strand ist schon ein Hingucker und bietet darüber hinaus noch fantastisches grün blaues Wasser.

Doch Vorsicht: die Gegend ist so abgelegen, dass es kein Telefonnetz gibt. Und damit auch keine Kartenzahlung in den beiden Restaurants vor Ort. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass dennoch vier Personen mit 7,10 Euro in der Tasche satt werden können. Jedenfalls wenn es weiterhin so nette und nachsichtige Restaurantbesitzer gibt.

[Wir hatten vor dem Essen gesagt was unter den hiesigen Bedingungen unser Budget ist und sie haben uns mit Pasta Bianca für die Kinder sowie Brot, Öl und Salz für uns und Wasser für alle umsorgt – Grazie Mille!]

Reiskörner

Der Strand Is Arutas

Stintino – Ist das die Karibik?

Stintino ist kein Geheimtipp. Aber es ist gut zu verstehen, warum Stintino weithin als schönster Strand Sardiniens geführt wird. Feiner Sand (wer es mag…), azurblaues Wasser, super flach, schön gelegen.

Auch schon in der Nebensaison ist das Parken nicht ganz leicht und der Strand recht voll. Dennoch, schön ist dieser Fleck Erde allemal.

Stintino – voll und dennoch schön

WRC (World Rally Championship)

Ein Highlight für mich als Autofan. Es war eher ein Zufall, dass wir in Alghero die Plakate und den Servicebereich der WRC Teams sahen. WRC steht für World Rally Championship und stellt die Weltklasse des Rallyesports dar. Autos, die unter härtesten Bedingungen die schwierigsten Offroadstrecken der Welt entlang rasen. Und die Italien-Strecke wird auf Sardinien gefahren.

Wir stellten also fest, dass die WRC gerade auf der Insel ist und Rallye bald stattfinden würde. Ich fand dann auch schnell heraus, dass eine einfach zugängliche Strecke bei Castelsardo liegt und so planten wir den Besuch an der Strecke auf unserer Route ein.

Es war ein Erlebnis: Die Wagen, die die Pisten entlang peitschen, verfolgt von Helicoptern mit der Filmcrew an Bord.

Auch die beiden Jungs fanden das Event sehr spannend, auch wenn Paul bei der Lautstärke des ersten vorbeifahrenden Wagens doch etwas erschrocken war.

Die Strecke in schönster Landschaft

Kleiner Unfall

Ordentlich Tempo auf harter Piste

Fahrkunst

Die unendliche Suche nach Flamingos

Auf Sardinien existieren einige Salzwasserlagunen, die als Heimat für Flamingos dienen. Eva hat sich vollkommen in diese Tiere verliebt und so unternahmen wir unzählige Versuche sie – zumindest mit dem bloßen Auge erkennbar – zu sehen. Nach einigen Sichtungen von einer Straße aus, die wir nur mit einem geborgten Fernglas bestätigen konnten, und Wanderungen zu Seen bei denen wir auch nur erahnen konnten, dass es keine Plaste-Replikate sind, haben wir in der Inselhauptstadt Cagliari aus nächster Nähe die rosanen Tiere sehen können, als auch später in Südfrankreich (bei Giens).

Eva auf der Suche

Gefunden: Flamingos in freier Wildbahn

Nette Ergänzung: Neptun Grotte und der älteste Olivenbaum der Welt

Auf Sardinien befindet sich der älteste Olivenbaum der Welt. Er ist beeindruckend groß und bereits über 4000 Jahre alt. Lässt man sich kurz auf den Gedanken ein was es bedeutet seit 4000 Jahren auf diesem Planeten zu sein und welche Entwicklungen und Zerstörungen die Menschheit seitdem (hin)genommen hat, wird der Anblick noch bedeutsamer.

Über 4000 Jahre alt: der älteste Olivenbaum der Welt

Die Neptungrotte bei Alghero ist über eine kurze, aber intensive Wanderung mit über 650 Stufen erreichbar. Abgesehen von der Höhe des Eintritts (einige sprechen hier schon von einer Touristenfalle) ist sowohl die Wanderung entlang der steilen Felswände als auch die Grotte selbst sehenswert.

Paul betrachtet den weiteren Weg (nach unten)

Entlang der steilen Felswände

Die Grotte

Unsere Campingplätze auf Sardinien

Baia Blu La Tortuga (Vignola Mare)

La Tortuga war unser erster Platz auf Sardinien. Im Norden (Nord-Westen) der Insel gelegen ist die Anfahrt vom Hafen in Olbia kurvig und langwierig (1,5 Stunden). Doch es lohnt sich. Die Anlage ist sehr schön, ruhig und bestens für Kinder geeignet. Es gibt einen guten, schattigen Spielplatz und ab Ende 2018 auch eine Poollandschaft. Außerdem liegt der Platz direkt an einem Kiesstrand. Der Strand ist vor allem bei Windsurfern und Kitern sehr beliebt, weil er – und das kann durchaus ein Nachteil für kleine Kinder sein – häufig von starken Winden heimgesucht wird. Mit der entstehenden Poollandschaft sollte das jedoch kein Problem mehr sein. Der Campingplatz verfügt außerdem über ein Restaurant, das abends auch Pizza aus dem Steinofen serviert und einen Minimarkt.

Tipp: richtig guten Kaffee gibt es im kleinen Café am Hotel Torre Vignola.

Laguna Blu (Alghero)

Der Platz bietet beinahe die gleichen Annehmlichkeiten wie seine Schwester in Vignola Mare. Er bietet sich für das Erkunden von Alghero bestens an, da er direkt an einem gut ausgebauten Radweg in die Stadt liegt. Und dieser Fakt ist auf italienischen Boden eine Rarität.

Leider bekommt der Platz auch bei einigen Punkten Abzüge. So wimmelt es dort nur so vor Mücken und Sandflies, wegen dem stehenden Wasser der Lagune, und der Strand, der über eine Straße schnell zu erreichen ist, ist leider nicht besonders sauber (stark mit Algen belegt). Auch dieser Platz baut in 2018 eine Poollandschaft, die zumindest beim Baden eine Alternative bereitstellen wird.

Is Arenas (Narbolia)

Hier sind wir durch einen Zufall gelandet. Eigentlich wollten wir zu einem ganz anderen Platz, da die Namen in der Gegend jedoch alle mit „Is“ beginnen, landeten wir durch eine Verwechselung hier. Und wir blieben.

Der Platz war wenig besucht doch das Personal unheimlich freundlich. Es gab keine definierten Stellplätze, sondern freie Wahl ohne abgesteckte Gebietsgrenzen. Wir wählten einen schönen Platz im Pinienwald, nah beim Weg zum sauberen, schönen Strand, an dem wir häufig ganz allein waren. Das Wasser war klar, sauber, sehr lang flach und bot ein paar kleine Wellen für das Bodyboard.

Der Campingplatz – nach einem Besitzerwechsel noch im (positiven!) Umbruch – bot außerdem ein ziemlich gutes, kleines Restaurant und war – nebenbei bemerkt – der günstigste unserer Stellplätze auf der Insel.

International Camping (Valledoria)

Für die Nacht vor der Abfahrt aus dem Hafen von Porto Torres suchten wir einen Platz in der Nähe, der uns gleichzeitig an die Strecken der WRC brachte. Die Wahl fiel auf den International Camping Platz bei Castelsardo. Wir haben hier kaum Zeit verbracht, hatten aber ein insgesamt positiven Eindruck vom Platz.

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Über den Autor

... ist leidenschaftlicher Fotograf und immer auf der Suche nach wundervollen Motiven. Außerdem ist er begeistert von Webtechnologien und hat zu diesem Thema mehrere Artikel in Expertenzeitschriften veröffentlicht. Fotografische Highlights der bisherigen Reisen waren für ihn Hawaii (auf Grund der Vielfältigkeit), Indien und Nepal. Folge uns auf Facebook und abonniere unseren Newsletter.

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